324km Bayern

324km Bayern

Was tut man, wenn es in der Nacht noch nicht gefriert, man vier Tage Zeit hat und andauernd Bücher und Blogs von Weltreisenden liest? Ganz genau, selber losfahren! Allerdings noch nicht um die Welt, sondern erstmal in den Bayrischen Wald. 🙂

Anfang September habe ich zusammen mit meinen Eltern eine zweiwöchige Fahrradtour durch Tschechien gemacht und das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich nochmal Fahrrad fahren wollte, allerdings diesmal mit Zelt und Schlafsack. Ursprünglich wollte ich auch an der Tschechischen Grenze und teils in Tschechien fahren, aber leider hat Deutschland kurz vor meiner Abfahrt das gesamte tschechische Gebiet zum Risikogebiet erklärt, sodass ich meine geplante Route wieder verwerfen musste. Ein Tag bevor ich losgefahren bin, habe ich also in zwei Stunden eine neue Route geplant, mit der ich schließlich auch zufrieden war.

Die Routenplanung

Wie habe ich also meine Fahrradtour geplant? Da ich mich gerne mithilfe von Karten orientiere und meine Familie und ich auf allen unseren bisherigen Fahrradtouren eine Karte oder die berühmten bikeline Radtourenbücher dabei hatten, war es zunächst ungewohnt, so ganz ohne Karte auskommen zu müssen. Aber da kommt der Freistaat Bayern ins Spiel, der in Sachen Tourismus und besonders Radtourismus nach meinen Erfahrungen echt gut aufgestellt ist. Das Zauberwort hierbei ist das Bayernetz für Radler.

Bayernetz für Radler

Das Bayernetz für Radler ist ein Radverkehrsnetz mit zuerzeit 125 Themenrouten und ca. 9.000km Streckenlänge. Mithilfe des Routenplaners kann man sehr bequem vom Laptop oder in der App seine Route planen, wobei verschiedene Streckenführungen, das Höhenprofil, Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Strecke und mehr angezeigt werden. Zu jeder Themenroute gibt es außerdem Informationen wie Sehenswürdigkeiten und Tips zur Unterkunft.

Mithilfe des Routenplaners habe ich online also meine Route geplant, die du weiter unten sehen kannst. Die einzelnen Tracks habe ich auch in der App auf meinem Handy gespeichert, aber da die App noch nicht ganz ausgereift ist und manchmal ein wenig langsam lädt, habe ich das Ganze nochmal in Google Maps importiert. Zwar war die Beschilderung der Radwege während meiner Tour überdurchchnittlich gut, sodass ich nur wenig aufs Handy gucken musste, aber als Backup und für die Ein- und Ausstiege in den Ortschaften war es sehr hilfreich, den GPS-Track dabei zu haben.

Los geht's! Regensburg - Murner See (92km)

Los ging es am Montagmorgen zuerst mit dem ICE nach Regensburg. Ich hatte Glück, dass so kurzfristig noch ein Fahrradstellplatz im ICE frei war, die man sonst besser weit im Voraus buchen soll. Da es in Passau geregnet hat und ich zwar eine Regenhose, aber keinen Schuhüberzug besitze, kam ich gleich mit nassen Füßen in Regensburg an. Dort hat es aber glücklicherweise nicht geregnet. Mir war durchaus klar, dass Ende September auch das Ende der Fahrradtoursaison ist, gerade wenn man zeltet, aber ich habe dementsprechende Kleidung eingepackt und mich auf Regen und 10°C eingestellt, sodass der Regen meine Laune nicht getrübt hat. 🙂 Bis nach Schwandorf bin ich dem Naabtal-Radweg gefolgt, der sehr zu empfehlen ist, da die Strecke sich meist auf kaum befahrenen, gut asphaltierten Straßen entlang des Flusses schlängelt und man einen guten Blick auf die Bayrischen Jurafelsen hat. Mein persönliches Higlight war der Ort Kallmünz, dessen alte Häuser sehr gut instand gehalten sind und dessen Ortskern nur aus Baudenkmäler besteht. Am Nachmittag hat es wieder leicht angefangen zu regnen, sodass ich für die letzten Kilometer von Schwandorf nach Osten durch das Charlottenhofer Weihergebiet auf meinem Weg zum Campingplatz am Murner See wieder meine Regenhose anziehen musste. Auch das Zelt habe ich im Nieselregen aufgebaut und war froh über das beheizte Sanitärgebäude, in dem ich mich ein wenig aufwärmen konnte.

Zum Thema Zelten

Die Zeltsaison war fast vorbei und das aus gutem Grund, denn die Nächte waren mit 4°C-8°C schon sehr kalt. Entweder man braucht einen warmen Schlafsack oder man zieht sich sehr dick an. Ich die letztere Variante gewählt, wobei kalte Füße mein größtes Problem war. Allerdings habe ich aus der ersten Nacht gelernt und in den nächsten Nächten einfach ein Handtuch um die Füße gewickelt. Warum ich mir das überhaupt antue und nicht in einem warmen Bett schlafe, ist schlicht und einfach der Preis. Und natürlich das Abenteuer! Die Campingplatzdichte auf meiner Tour war ganz in Ordnung, trotzdem habe ich schon im Vorfeld mögliche Campingplätze herausgesucht. Wildcampen wollte ich nicht, (abgesehen davon, dass es verboten ist) da ich alleine unterwegs war und ein warmer Raum gerade Ende September schon schön ist.

Etappe 2: Murner See - Cham (82km)

Nach einer kalten Nacht mit 4°C, habe ich am nächsten Morgen mein nassen Zelt eingepackt, das durch die Feuchtigkeit bestimmt zwei Kilogramm schwerer war, mein Fahrrad beladen und bin um 9:30 Uhr durch die nebelige Weiherlandschaft gefahren. Bis nach Neunburg vorm Walde bin ich auf dem Weiher-Radweg gefahren und ab Neunburg dann weiter auf dem Schwarzachtal-Radweg bis nach Schönthal. An diesem Morgen ging das Radfahren nicht so gut, vielleicht lag es an dem schwereren Zelt, am ständigen Nebel, an den Schotterstrecken oder einfach an mir selbst. Hinter Neunburg vorm Walde bin ich auf den Eixendorfer See gestoßen, an dem ich eine ganze Weile entlang gefahren bin. Die Landschaft war wunderschön und hätte es geregenet, hätte man denken können, ich fahre durch Schottland. Am Mittag kam sogar die Sonne raus, sodass ich meine Socken trocknen konnte und sogar meine Jacke ein Stück aufmachen konnte. Landschaftlich bot sich nun ein ganz anderer Blick als noch an am Naabtal-Radweg, da hier schon die ersten Berge des Bayrischen Walde zu sehen waren. In Schönthal bin ich dann abgebogen auf den Radweg „Grünes Dach„, dem ich bis nach Cham gefolgt bin. Hier wurde es schon hügeliger und die Dörfer sahen immer mehr nach Bayrischem Wald aus. Ich bin schon um halb fünf in Cham angekommen und glücklicherweise habe ich auf meinem angepeilten Campingplatz, den ich im Vorfeld nicht erreichen konnte, auch gleich den Inhaber getroffen, sodass ich mein Zelt im Sonnenschein aufbauen konnte und es so trocken wurde. Den Rest des Abends habe ich mir die sehr schöne Innenstadt von Cham angeschaut und mir nach einem anstrengenden Tag sogar eine Pizza gegönnt.

Etappe 3: Cham - Deggendorf (88km)

Diese Nacht war gar nicht so kalt, wie ich gedacht habe, sodass ich morgens gut ausgeschlafen und voller Motivation zuerst zur Touristeninformation gefahren bin, um nach Fahrradkarten Ausschau zu halten und danach auf den Regental-Radweg gebogen bin. Dieser Radweg ist ebenfalls schön, da er sich die ersten 10km hinter Cham abwechslungsreich am Regen entlangschlängelt und später gute Aussichten auf die Berge bietet. Einzig die 10km vor Viechtach wurden mir ein wenig langweilig, da der Weg auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft, was zwar den Vorteil hat, das die Steigungen nur gering sind, aber de Nachteil, dass sie eintönig sind. Zwischen Viechtach und Patersdorf wurde der Radweg als sehr hügelig und steigungsreich beschrieben, sodass ich mich mental schon mal darauf vorbereitet habe. Hinter Viechtach war die Beschilderung nicht mehr ganz ausreichend, sodass ich öfter auf mein Handy gucken musste, aber viel Auswahl hatte ich meistens nicht, da es nur eine Straße gab. In der Tat ging es viel bergauf, allerdings durchweg asphaltiert und nicht so steil wie ich befürchtet hatte und dementsprechend auch nicht so anstrengend, wie befürchtet. Zudem schien die Sonne und schneller als ich dachte, war ich schon in Patersdorf, wo ich in der Dorfmitte in der Sonne Mittagspause gemacht habe und dabei das Zelt zum Trocknen ausgebreitet habe. Danach ging es die 30km weiter nach Deggendorf auf dem Waldbahnradweg, der parallel zur B11 verläuft, aber immer wieder durch die Dörfer führt, sodass er ganz abwechslungsreich ist. Besonders reizvoll ist er allerdings durch seine Höhenmeter, da es hinter Gotteszell die letzten 15km praktisch fast nur bergab geht. Auch hier war es ein majestetisches Gefühl, mit Blick auf die bewaldeten Hügel hinab in das Donautal zu fahren.

In Deggendorf angekommen, musste ich zunächst den Campingplatz suchen, den ich schließlich gefunden habe und mein Zelt direkt am Donauufer aufgebaut habe. Wie üblich, habe ich mir danach die Innenstadt angeschaut, aber alleine hatte ich dann nicht mehr so wirklich Lust und da es schon früh dunkel wurde, bin ich auch schlafen gegangen.

Zum Thema alleine fahren

Etwas, was meiner Familie gar nicht gefallen hat, war, dass ich die vier Tage alleine unterwegs war und auch alleine gecampt habe. Ich wollte es mal ausprobieren wie es ist, ganz alleine zu fahren und außerdem habe ich auch niemanden gefunden, der Zeit und Lust hatte. Außer, dass es besonders abends ein wenig langweilig wurde, war das alleine Fahren aber überhaupt kein Problem und bietet natürlich auch den Vorteil, das man so fahren kann und Pause machen kann, wie man möchte. Auch auf den Campingplätzen war es kein Problem, ich wurde zwar oft darauf angesprochen, warum ich denn alleine fahre, aber daraus sind immer nette Gespräche entstanden.

Endspurt: Deggendorf - Passau (62km)

Wie ich es aus Passau schon kenne, hat mich der nächste Morgen mit dichtem Nebel empfangen. Wo am vorherigen Tag noch die Donau zu sehen war, wurde sie nun von einer dicken Schicht feuchten Nebel verhüllt. Mein Plan war es, am Mittag wieder in Passau zu sein, sodass ich schon um 9:00 Uhr losgefahren bin und erst um 11:30 Uhr in Vilshofen an der Donau Frühstückspause gemacht habe. Ab hier kannte ich die Strecke, der allseits bekannte Donau-Radweg schon, da ich im August schon mal nach Vilshofen Rad gefahren bin. Nichts desto trotz ist die Strecke sehr schön, außer die letzten fünf Kilometer vor Passau, die entlang der lauten Bundesstraße verlaufen. Auf dem Donauradweg habe ich auch erstmals andere Radfahrer gesehen, allerdings alles nur Tagesausflügler*innen. Das Wetter war sehr schön, nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, die Sonne schien und schon bin ich um punkt 14:00 Uhr in Passau angekommen.

wieder in Passau angekommen

Es war auf jeden Fall eine gute Idee, die Gelegenheit noch zu nutzen, bevor die Camping- und Fahrradfahrsaison ganz zu Ende geht. Die Tour hat mir viel Spaß gemacht, das alleine Fahren war eine Erfahrung wert ich habe wieder viel aus dem Passauer Umland, der Oberpfalz und dem Bayrischen Wald gesehen. Jetzt ist erstmal Fahrradputzen angesagt und dann könnte ich eigentlich schon eine Tour für’s nächste Jahr planen… 🙂

2 Gedanken zu „324km Bayern

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