Chorfreizeit in Zalakaros

Chorfreizeit in Zalakaros

Mit dem Orchester war ich ja schon im Juni in Bulgarien und nun ging es mit dem Chor nach für eine Woche nach Zalakaros zur Chorfreizeit.

Vorneweg sollte man erwähnen, dass in Ungarn im Sommer ganz viele „táborok“ (übersetzt bedeutet das Ferienlager) für Kinder und Jugendliche stattfinden. Mit dem Begriff „Ferienlager“ musste ich mich erst einmal anfreunden, da ich Ferienlager nur aus den alten Kinderbüchern meiner Eltern kenne, z.B. „Tina und Tini im Ferienlager“. Im heutigen Sprachgebrauch wäre es wohl eher Freizeit oder Camp. Wie dem auch sei, es gibt in den Sommerferien unglaublich viele Angebote, z.B. Theater-Ferienlager, Schach-Ferienlager, Reit-Ferienlager, Kreativ-Ferienlager sowie das nationale Erzsébet Tábor, das von der katholischen Kirche und dem ungarischen Ministerium für Humanressourcen organisiert wird. Zudem erfreuen sich diese Ferienlager bei den Kindern an großer Beliebtheit, fast alle Schüler, mit denen ich gesprochen habe, nehmen an einem Ferienlager teil. Vielleicht liegt es daran, dass die Sommerferien in Ungarn elf Wochen lang dauern und das ohne Beschäftigung ganz schön langweilig wird. Außerdem profitieren davon auch die Eltern, die ja arbeiten müssen und froh sind, wenn ihre Kinder etwas zu tun haben.

Zeitreise im Hotel

Am Montag sind wir also mit dem Bus von Veszprém nach Zalakaros gefahren. Da ich am Sonntagabend davor gerade erst aus Slowenien wiedergekommen bin, war es ein wenig hektisch und ich hätte mich über einen Tag Pause zu Hause gefreut, aber ich will mich nicht beklagen. 🙂 Nach ca. zwei Stunden Fahrt sind wir in Zalakaros angekommen. Der Kurort liegt südlich vom westlichen Ende des Balatons, ist mit kanpp 20000 Einwohnern ist zwar nicht besonders groß und es gibt auch nicht viel zu sehen, allerdings kommen im Sommer viele Touristen, da hier das berühmte Heilbad inklusive einer riesigen Schwimmbadanlage gibt. Wir haben im Hotel Fortuna geschlafen und geprobt, ein Hotel, das wohl aus der touristischen Boom-Zeit der Balaronregion (ca. 1950) stammt, aber seit dem die letzten Renovierungsmöglichkeiten verpasst hat. Dementsprechend sah es auch aus und ich glaube, nach deutschen Standards wäre das Hotel schon längst abgerissen. Mich hat der sozialistische Stil allerdings eher weniger gestört und soweit ich das mitbekommen habe, die anderen Jugendlichen auch nicht. Was mich allerdings sehr gestört hat, war das Essen, das hauptsächlich aus Fleisch bestand. Das heißt zum Frühstück Würstchen und Weißbrot, zum Mittag Hühnchen mit Reis und zum Abendessen Fleischsuppe. Typisch ungarisch! Ich war damit allerdings gar nicht glücklich, aber es ist auch meine Schuld, da ich im Vorfeld nicht gesagt habe, dass ich Vegetarierin bin, weil ich keine Umstände machen wollte. Naja, fürs nächste Mal weiß ich Bescheid…

Singen verbindet!

Nach unserer Ankunft gab es erstmal Mittagessen und dann ging es auch schon los mit dem Proben. Der allgemeine Plan war es, dass wir vormittags immer proben und nachmittags ins Freibad gehen, wo wir am Dienstag und Mittwoch jeweils ein kleines „Freibadkonzert“ gesungenen haben. Es hat ziemlich viel Spaß gemacht, die Proben waren lustig und produktiv und das Freibad des Schwimmbades ist echt riesig. Im Gegensatz zum Orchester, im dem ich hier in Ungarn spiele, habe ich auf der Chorfreizeit nicht nur viel Ungarisch geübt, sondern auch das Singen, was ich bei Weitem nicht so gut kann wie Tuba spielen. Zudem wollte ich schon immer mal auf eine Chorfreizeit fahren! 🙂 Es ist ein wenig anders, als ein Orchester-Probenwochenende oder Arbeitsphase, da man überall singen kann, im Bus, beim Mittagessen und im Schwimmbad, was wir auch getan haben.

Das Heilbad in Zalakaros

Am Nachmittag sind wir also ins Freibad gegangen, wo wir natürlich gebadet haben, sowie auch gesungen haben. In unseren neuen Choruniformen haben wir uns am Wellenbecken positioniert und jeweils so 15min Unterhaltungsmusik, wie zum Beispiel „Siahamba“ und „Le ló lá“ gesungen. Am Mittwoch haben wir zudem noch ein zweites Konzert am Heilwasserbecken gegeben, wo die Akustik auch ein bisschen besser war. Die Leute haben sich immer sehr gefreut und wir haben sogar noch einmal extra für die Mitarbeiterin bei den Umkleidekabinen gesungen, da sie uns ja beim Wellenbecken nicht zuhören konnte. Am Abend haben wir dann entweder noch eine Probe gehabt oder aber Freizeit, in der wir meistens ganz zu meiner Freude „Das verrückte Labyrinth“ in unserem Zimmer gespielt haben.

Leider war das Wetter nicht so schön und fürs Baden ein wenig frisch, was angesichts der vorhergehenden Hitze im Juni ärgerlich war. Trotzdem war es toll im Freibad, vor allen Dingen wegen den vielen Rutschen, mit denen wir die Hälfte unserer Zeit verbracht haben. Wenn du auf die Internetseite des Heilbades gehst, dann siehst du die vielen Rutschen. Davon waren besonders die große rote und die grüne Rutsche ziemlich heftig. Ich bin ein großer Fan von Rutschen, Achterbahnen und Fahrgeschäften jeglicher Art, aber von der roten Rutsche war einmal pro Tag genug. 🙂

Willkommen unter deutschen Touris

Am Donnerstag sind wir schon am Vormittag schwimmen gegangen, da wir am Nachmittag geprobt haben und am Abend ein Konzert innerhalb eines Gottesdienstes in der Kirche hatten. Da es am Vormittag noch frisch war, haben wir viel Zeit im 36°C warmen Heilwasser verbracht. Gerade wegen des Heilassers kommen viele Menschen und vor allen Touristen in das Heilbad und zu DDR-Zeiten war es einer der Top-Ausflugsziele. Besonders ältere Deutsche fahren noch immer gerne nach Zalakaros und gehen dann hauptsächlich morgens schwimmen. Ich habe mich nämlich gewundert, wo denn die ganzen deutschen Touristen sind, zumal alle Schilder zweisprachig sind, aber am Donnerstagmorgen wurde ich beruhigt, da die Hälfte des Heilbeckens deutsch, bzw. ostdeutsch gesprochen hat. Die Deutschen sind eben Frühaufsteher…

Konzert in der Kirche

Nach dem Mittagessen und der Probe sind wir um 18:00 Uhr mitsamt Noten, Uniform und E-Piano zur modernen katholischen Kirche Zalakarosi Isteni Irgalmasság temploma aufgebrochen. Dort sollten wir im Gottesdienst um 19:00 Uhr singen. Es hat mich zwar ein wenig gewundert, dass am Donnerstagabend Gottesdienst gehalten wurde, aber na gut. Die Kirche an sich ist sehr schön, von der Rede des Priesters habe ich nicht wirklich viel verstanden, außer dass Musik wichtig ist (wie war) und unser Konzert war fantastisch! Auch die wenigen Gottesdienstbesucher waren begeistert, sodass es ein voller Erfolg war. Auf dem Rückweg von der Kirche zum Hotel, haben uns zwei deutsche Touristen angesprochen, wo wir denn sängen, sodass ich mich sogar ein wenig auf deutsch mit ihnen unterhalten konnte.

Der letzte Abend und der letzte Tag

Am letzten Abend der Chorfreizeit haben wir uns noch einmal alle im Probensaal versammelt, um gemeinsam just for fun zu singen. Das war ziemlich lustig und auch als wir danach auf unseren Zimmern waren, haben wir nicht aufgehört, zu singen. Irgendwann saßen wir dann auf dem Boden und haben den Cup-Song mit Wasserflaschen versucht. 🙂 Es wurde ein langer Abend und ich muss zugeben, dass ich heute ein wenig erschöpft bin.

Zum Abschluss unserer Chorfreizeit ging es am Freitagmorgen noch zum Kis-Balaton („Kleiner Balaton“). Dort sind wir spazieren gegangen, aber leider hat es geregnet, sodass wir nicht so lange geblieben sind. Allerdings hatte ich eine tolle Konversation über ungarische Kultur, den Vertrag von Trianon und ungarische Politik, aber darüber werde ich später schreiben, jetzt bin ich zu müde dafür. 🙂 Weil das Wetter wie gesagt nicht so schön war, sind wir schon um 14:00 Uhr in Richtung Veszprém gefahren. Glücklicherweise sind auf dem Weg durch Nagyvázsony gefahren, sodass ich einfach dort schon aussteigen konnte und nicht auf den Bus von Veszprém nach Nagyvázsony warten musste.

Alles in einem…

… war es eine tolle Woche. Die Kinder und Jugendlichen im Chor sind super nett und behühen sich sehr, sich mit mir zu unterhalten,vor allen Dingen Moni, Linka, Melinda, Lazar, Zsofi, Sara und Gergö. Die Chorleiterin, Agi néni, ist auch fantastisch, persönlich sowie musikalisch. Zudem habe ich wieder viel über Ungarn, die Kultur und die Menschen gelernt und ich bin sehr froh, dass ich so eine tolle Möglichkeit habe, hier im Chor zu singen. Vielleicht gibt es sogar eine Abschiedsparty für mich im August…

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