„Das bayrische Kanada“

„Das bayrische Kanada“

Nachdem die Online Klausuren dieses Semester für mich geschafft sind, habe ich viel Zeit mit kochen, schwimmen, mit Freunden treffen, lesen, Fahrrad fahren und Eis essen verbracht. In Passau findet gerade ein Jazzfest statt mit kostenlosen Konzerten am Abend im Rathausinnenhof und da wegen Corona keine oder nur sehr wenige Konzerte und sonstige Veranstaltungen angeboten werden, bin ich sehr froh über das Jazzfest. Zumal auch eine sehr schöne, sommerliche Atmosphäre herrscht, in der man sich wie im Urlaub fühlt. Überhaupt bin ich momentan im Ferienmodus, da das Wetter super ist, die Altstadt wieder auflebt und wir endlich all die Sachen machen können, die man im Sommersemester eben so macht wie Schwimmen in der Ilz oder im Freibad, Slacklinen im Park, Badminton spielen, auf den Flohmarkt gehen, mit dem Rad zum Mostbauern in Österreich fahren oder Eis an der Donaupromade essen.

Wandern zum Rachel

Auch war ich nun endlich einmal im Bayrischen Wald wandern. Zusammen mit einigen Leuten aus meiner Hochschulgruppe (die ein Auto haben) sind wir ca. 22km von Spiegelau zum zweithöchsten Berg des Bayrischen Waldes, der Großen Rachel und wieder zurück gewandert. An kleinen Bächen entlang, durch Blaubeerfelder und über steinige Stiege haben wir nach ca. 3h den Gipfel erreicht und waren nach insgesamt 8h erschöpft und trotz Regen während den letzten zwei Stunden gut gelaunt wieder am Auto. Ich fand die Wanderung eine willkommene Abwechslung zum Onlinestudium und das damit verbundene stundenlangen Sitzen vor dem Laptop.

100km an einem Tag

Diesen Sonntag nun habe ich eine Fahrradtour gemacht, die ich schon lange im Kopf hatte. Ursprünglich hatte ich sie für zwei Tage geplant, aber dann hatte ich keine Lust, mich um eine Übernachtungsmöglichkeit zu kümmern, sodass ich die insgesamt 100km an einem Tag gefahren bin. Vor einiger Zeit habe ich den Radroutenplaner Bayerns entdeckt, eine Website, (und App) mit der man Radtouren innerhalbs Bayern planen kann und das Schöne daran ist, das meist Radwege für die Planung verwendet werden und man sich nicht auf Landstraßen quälen muss. Geplant habe ich folgende Route: von Passau aus auf dem Donauradweg aufwärts nach Vilshofen a.d.D und noch ein Stück weiter bis nach Hofkirchen. Von dort aus weiter auf dem Ohetalradweg bis nach Iggensbach und weiter nach Osten auf dem Donau-Ilz Radweg. Immer weiter über Eging am See und Tittlingen bis Kalteneck, wo ich dann wieder nach Süden an der Ilz entlang nach Passau fahren wollte. Los geht’s!

Der Weg nach Vilshofen war sehr schön. Natürlich ist der Donauradweg seht gut erschlossen mit großzügiger Beschilderung, vielen Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand und schönem Asphalt. In Vilshofen habe ich einen kurzen Stopp gemacht, um durch die Stadt zu rollen, die mir gut gefällt; wie Passau nur in kleinerem Format. Hinter Vilshofen kam Hofkirchen, wo ich eigentlich auf den Ohetalradweg abbiegen wollte, aber leider habe ich den nicht gefunden, da die Beschilderung nicht mehr so gut war. Also bin ich auf Landstraßen bergauf Richtung Norden gefahren. Dabei ist mir aufgefallen, dass es sich in Bayern anscheinend lohnt, vorher einen Blick auf die Ortsnamen zu werfen, die schon einiges über die Wegbeschaffenheit aussagen können wie z.B. Schmiedberg oder Gipfelberg. Zu Glück war es noch nicht so heiß und ein Teil der Streck verlief im Wald, sodass ich mich im gemäßigte Tempo den Berg hochgekämpft habe. Ab Iggensbach wurde ich dann dafür mit einer fantastischen Aussicht und einem tollen Radweg belohnt. Der Donau-Ilz-Radweg verbindet wie der Name schon sagt die Donau mit der Ilz und verläuft auf einer ehemaligen Bahntrasse durch den Wald. Der Weg ist fast immer asphaltiert und die Steigungen sind nur sehr leicht. Es war auch recht viel los auf dem Radweg, aber mit meinem „normalen“ Fahrrad war ich eher die Ausnahme, denn entweder bin ich Rennrad- oder E-Bikefahrer*innen begegnet. Ein Nachteil allerdings ist die etwas abseits gelegende Lage des Radweges, da er aufgrund seiner eigentlichen Bestimmung nicht durch die Ortschaften führt, sondern nur an deren Rande und es somit mit der Zeit ein wenig eintönig wird. In Tittling allerdings habe ich beschlossen, in den Ort abzubiegen und dort Mittagspause zu machen. Das war eine sehr gute Entscheidung, da im Biergarten in der Dorfmitte gerade ein Alleinunterhalter gespielt hat und ich mich also vor den Biergarten gesetzt habe und mit musikalischer Begleitung meinen Nudelsalat essen konnte. Die Sonne hat geschienen, die Temperatur war angenehm und die Stimmung gut; besser hätte es nicht sein können!

Die nächsten 10 km von Tittling weiter nach Kalteneck habe ich mich rollen lassen, da es stetig bergab ging. Doch natürlich geht es dann auch wieder hoch und es war schon ganz schön heiß, als ich nach Kalteneck auf dem Donau-Bayernwald Radweg die fünf Hügel auf dem Weg nach Passau erklommen habe. Den letzten habe ich zugegebenermaßen hochgeschoben. 😉 Interessant war es einmal zu sehen, wie der Passauer Landkreis aussieht, da ich bisher noch nie so weit raus aus Passau gekommen bin. Die letzten 10km vor Passau bergab haben mich dann wieder für den schweißtreibenden Anstieg entlohnt und nachdem ich den letzten Anstieg hoch zum Wohnheim gemeistert habe, war ich wieder dort, wo ich am Morgen, sieben Stunden früher losgefahren bin. Die Tour war sehr schön und ich bin schon gespannt, wohin ich wohl als nächstes fahren könnte…

Als ich mich dann heute Abend zum Eis essen mit Freunden in der Stadt getroffen habe, habe ich auf einem Bus die Werbung „Entdecke das bayrische Kanada“ gesehen. Vielleicht etwas hochgegriffen, aber gar nicht so weit entfernt…

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