Deutschworkshop in Kölesd

Deutschworkshop in Kölesd

Am letzten Montag bin ich zusammen mit Rita in eine Grundschule nach Kölesd gefahren. So wie Rita es erzählt hat, zählt das Dorf bzw. die Region zu einer der ärmeren in Ungarn und es wohnen dort viele Sinti und Roma.

Meine Aufgabe war es dort in der lokalen Grundschule jeweils eine Deutschstunde in der vierten bis achten Klasse zu halten. Rita arbeitet nämlich außerdem für ein Projekt, welches Schulen in benachteiligten Regionen fördert und die Deutschlehrerin war von der Idee, eine echte Deutsche im Deutschunterricht zu haben, sehr angetan.

Da Kölesd ungefähr 1 1/2 Stunden mit dem Auto von Nagyvázsony entfernt ist, wollten Rita und ich heute schon um 6:00 Uhr losfahren, aber Rita war wie immer zu spät, sodass es eher 6:40 Uhr wurde, als wir losgefahren sind. 🙂 Während der Autofahrt konnte ich die wunderschöne Frühlingslandschaft bewundern, denn wenn es grünt, ist alles schön.

Ehrlich gesagt, war es für mich nicht unbedingt offensichtlich, dass Kölesd in einer armen Region liegt. Die Straßen waren zwar schlecht, die Häuser waren überwiegend alt, manche auch nicht mehr bewohnt, aber schlechte Straßen und alte Häuser gibt es in und rund um Nagyvázsony ebenfalls. In der Schule ging es mir genauso. Gut, das Gebäude war alt und nicht so schick, aber die Europaflagge über dem Eingang hat schon angekündigt, dass zum Beispiel die Toiletten mithilfe von EU-Folördermitteln saniert wurden.

In der ersten Stunde hatte die sechste Klasse Deutschunterricht. Da wir 10min zu spät waren und wir gleich ins Klassenzimmer gegangen sind, wurde ich ein wenig ins kalte Wasser geworfen, sodass ich meinen eigentlichen Plan nicht realisieren konnte. Sprich ich konnte das vorbereitete Mörderspiel, das ich mir von der deutschen Lehrerin aus Nagyvázsony Ursula ausgeliehen habe, in dem die Schüler sich über Name, Alter, Wohnort, Hobbies, Familie und Haustiere unterhalten sollen, nicht spielen. Allerdings haben wir nach einer Vorstellungsrunde Obstsalat und eine Rechenkette gespielt und ich hatte das Gefühl, dass die Schüler Spaß hatten. Ich zumindestens hatte Spaß. 🙂

Als nächstes kam die fünfte Klasse. Da die Schüler in der Kölesder Schule erst ab der vierten Klasse Deutsch lernen, konnten sie natürlich noch nicht so viel wie in der Nagyvázsonyer Schule, aber das sollte man nicht vergleichen. Hier konnte ich mein geplantes Programm durchziehen, d.h. Vorstellungsrunde, Obstsalat und dann das Mörderspiel. Das hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht und sie waren auch sehr motiviert, weshalb die Stunde sehr schnell vorbei war.

Nach der fünften Klasse kam die achte Klasse. Mein Plan war, dort zusammen mit den Schülern einen deutschen Popsong anzuhören und war „Alles nur in meinem Kopf“ von Andreas Bourani. Bei meiner Vorbereitung am Wochenende bin ich auf der Suche nach Ideen auf eine Seite des Goethe-Instituts gestoßen, Dort gibt es eine tolle Auswahl an Arbeitsblätter für viele verschiedene deutsche populäre Lieder also es lohnt sich, dort mal vorbeizuschauen. Zugegebenermaßen war das Deutschniveau der achte Klasse nicht brilliant, aber sie waren sehr interessiert, haben gut mitgemacht und haben mir nach dem Unterricht noch alle möglichen Fragen gestellt. Es war für sie auch das erste Mal, jemanden aus Deutschland zu treffen.

In der vierten Klasse haben wir nur Spiele gespielt und zum Schluss haben mich alle Kinder umarmt und wollte mich nicht gehen lassen.
In der siebten Klasse habe ich das Gleiche wie in der achten Klasse gemacht, allerdings waren es nur sieben Schüler. Trotzdem war es eine nette Runde und für die Schüler eine gute Abwechslung, da der normale Unterricht anscheinend nicht so motivierend ist.
Nachdem unsere letzte Stunde vorbei war, wurden Rita und ich eingeladen, noch in der Schulmensa Mittag zu essen, wo es typisch ungarische Nudeln mit Gries und Marmelade gab.

Gegen 13:30 Uhr haben Rita und ich uns verabschiedet, um in die nächstgrößere Stadt Szekszárd zu fahren. Während Rita nämlich nach Ostungarn zu einer anderen Schule gefahren ist, habe ich den Bus zurück nach Veszprém genommen. Von dort aus ging es weiter nach Nagyvázsony, wo ich um 18:00 Uhr angekommen bin.

Für mich war der Tag in einer anderen Schule sehr interessant und hat mich nachdenklich gemacht. Bevor ich in die Klasse gegangen bin, hat die Deutschlehrerin gesagt, dass die Schüler nichts verstehen und nicht gut in Deutsch sind. Und ja, das stimmte irgendwo auch. Aber die Frage ist, warum die Schüler nicht gut sind. Ist es nicht eigentlich die Aufgabe der Lehrer, Spaß am Lernen zu vermitteln. Und warum wurde ich vorher gewarnt, dass viele Zigeuner in dem Dorf leben? Kinder sind Kinder, egal ob Zigeuner, Roma, Einwanderer, Flüchtling oder Ungarn. Ist es nicht unfair, dass sie gleich einen „Stempel“ bekommen?

2 Gedanken zu „Deutschworkshop in Kölesd

  1. Ja, das ist aber in Deutschland denke ich manchmal auch so: die Kinder oder die Menschen, die es lernen sollen, können oder verstehen es nicht und dann ist der erste Gedanke meist, dass es an den Menschen selber liegt.

    Dass es aber vielleicht viel eher an den Lehrern oder an den Lehrenden liegt wird meiner Ansicht nach oft erst wenn überhaupt im zweiten Gedanken berücksichtigt – da sollte viel mehr reflektiert werden.

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