Dort, wo die Luft leichter ist

Dort, wo die Luft leichter ist

Comme le temps passe! Schon seit einer Woche bin ich auf der Ferme des Embetschés, wo die Ziegengeburten kein Ende zu nehmen scheinen. Mittlerweile sind es schon über hundert kleine hungrige Zicklein, die dreimal am Tag, um 7:30 Uhr, 14:00 Uhr und um 18:00 Uhr mit der Flasche gefüttert werden wollen. Das dauert seine Zeit und manchmal kommen wir nach dem abendlichen Füttern auch erst um 20:30 Uhr nach Hause. Doch glücklicherweise trinken die Zicklein ab dem 5. Tag Milch, die mit Milchpulver und Wasser in einer Maschine gemischt wird, sodass wir ihnen „nur noch“ beibringen müssen, an der Maschine zu trinken.

Trotzdem bleibt noch genug Zeit, um ein wenig die Gegend und die wunderschöne Landschaft der Vogesen zu erkunden, zumal wir auch zwei Tage pro Woche frei haben. Mit Sylvain, einer meiter Mitbewohner, habe ich zum Beispiel schon einen Geocache in der Nähe einer Burgruine mit gutem Ausblick auf das Tal und das Dorf Le Bonhomme gesucht und letztens waren wir am Lac Noir und Lac Blanc wandern.

Mit dem Auto sind wir zuerst zum Lac Noir (950m ü. NN) gefahren. Da Sylvain davor noch gearbeitet hat, sind wir erst um 16:30 Uhr losgewandert und dementsprechend auch gerade vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurückgekommen. Vom Lac Noir ging es auf wirklich sehr schönen, steinigen und abwechslungsreichen Wanderwegen viele Höhenmeter hinauf bis zum Altenkraehkopf auf 1320m ü. NN, von dem aus sich eine tolle Aussicht auf die anderen Gipfel und einen anderen See bot. Weiter ging es auf und entlang des Gazon du Faing, wo die Landschaft schon etwas karger wurde, da hier auf 1250m nur noch vereinzelt einige Büsche wachsen. Dieser prärieähnliche Anblick und die vereinzelten Sonnenstrahlen, die durch die Wolken drangen, ließen die Landschaft wie ein Herr-der-Ringe-Filmset aussehen. Der Berg bildet die Grenze zwischen den Départements Haut-Rhin und Vosges und somit zugleich die historische Grenze zwischen dem Elsass und Lothringen, weshalb noch einige alte deutch-französische Grenzsteine zu sehen waren. Später sind wir dann abgebogen in Richtung des Lac Blanc, der größte See auf der Ostseite der Vogesen. Auch hier konnten wir einen wunderschönen Ausblick auf den See sowie auf den Felsen Rocher Hans genießen. Danach begann der Abstieg zurück in Richtung Lac Noir und da die Sonne bereits hinter den Bergen verschwand, wurde es auch recht kühl. Es war eine super schöne Wanderung, für die wir ca. zweieinhalb Stunden gebraucht haben und während der ich viele nützliche französische Wörter wie „Fels“, „Kamm“ oder „Bergkiefer“ gelernt habe. 🙂

Heute ging es dann zusammen mit Jean-Jacques, einem der Festangestellten der Farm auf eine Wanderung um den dritthöchsten Berg der Vogesen, Hohneck 1363m ü. NN. Leider war das Wetter mit leichtem Schneefall und viel Nebel überhaupt nicht wanderfreundlich und die sonst so schöne Rundumausblick bis zu den Französischen und Schweizer Alpen blieb mir verwährt. Nichts desto trotz war es eine schöne Wanderung, da die Wege super sind und ich auch ohne Ausblick das Gefühl hatte, „on the top of the world“ zu sein und mich einmal mehr gefreut habe, hier zu sein. Auch scheinen die Franzosen sehr wanderfreudig zu sein, da uns trotz des Wetters viele Wanderer*innen begegnet sind. Auch ein paar Mountainbiker haben wir auf unserem Weg gesehen, die die Lifte, die im Winter die Skifahrer nutzen, als einfache Abkürzung zum Bergauffahren benutzt haben.

Insgesamt bin ich als Flachlandbewohnerin ziemlich beeindruckt von der Schönheit und der Größe der Vogesen. Dabei wusste ich davor noch nicht einmal, dass diese existieren, ups! 🙂 Auch sieht es hier mit etwas steileren Gipfeln und Felshängen deutlich anders aus, als im Bayrischen Wald und ich freue mich schon auf eine nächste Wanderung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.