Europäische Solidaritätskorps Kick-Off Seminar in Brüssel

Europäische Solidaritätskorps Kick-Off Seminar in Brüssel

Nach einer sehr intensiven und spannenden Woche habe ich nun mal die Zeit gefunden, über die vergangenen Tage zu schreiben.

Die Reise nach Brüssel

Meine Reise zum Kick-Off Seminar der Europäischen Solidaritätskorps nach Brüssel begann leider überhaupt nicht so gut. Ich habe nämlich meinen allerersten Zug von Győr nach Wien verpasst. Nach Wien bin ich zwar mit dem Zug eine Stunde später gekommen und ich war sehr froh, dass der Schaffner nichts wegen meinen Tickets gesagt hat. Denn die sind nämlich mit Zugbindung also nur für den einen bestimmten Zug gültig. Im Zug habe ich mich dann sehr nett mit einem malaysischen Bankkaufmann unterhalten, der gerade auf einer Europa-Tour war.

In Wien habe ich dann allerdings um 6min meinen Anschlusszug nach Frankfurt am Main verpasst (ich bin ja eine Stunde später angekommen) und es stellte sich heraus, dass der nächste Zug erst um 20:30 Uhr abfuhr, womit ich erst am Montagmorgen in Brüssel ankommen würde. Das hat meiner gute Laune einen großen Dämpfer versetzt und ich war angesichts dieser blöden Situation echt verzweifelt. Zudem waren die ganzen Bahnmitarbeiter, die ich um Hilfe gefragt habe nicht besonders freundlich, was auch dazu geführt hat, dass ich ganz und gar nicht glücklich war.

Aber Rettung nahte, als mich die Mitarbeiterin der Reiseagentur zurückgerufen hat. Da nämlich die Reisekosten von der Europäischen Kommission übernommen wurden, hat eine Reiseagentur meine Zugtickets gebucht. Weil ich nicht wusste, was ich tun sollte, habe ich probiert dort anzurufen. Obwohl es Sonntag war haben sie dann mich zurückgerufen, worüber ich sehr erleichtert war. Die Mitarbeiterin hat dann kurzerhand einen Flug von Wien nach Brüssel um 17:30 Uhr gebucht. Ich war sehr beeindruckt und glücklich. Zwar wollte ich ja gerade Zugfahren um Kurzstreckenflüge zu vermeiden, aber in diesem Moment wollte ich einfach nur noch in Brüssel ankommen.

Deswegen habe ich auch gleich den ersten Zug von Wien Hauptbahnhof zum Flughafen, den ich gefunden habe genommen. Auf das Risiko, dann doch noch irgendwie auch das Flugzeug zu verpassen, hatte ich keine Lust. 😉 Das hatte dann zwar zur Folge, dass ich am Flughafen noch vier Stunden warten musste, aber ich hatte mein Buch dabei. Da ich vorher nur einmal geflogen bin und das auch nur innerhalb einer Gruppe, war mir nicht ganz klar, wie es auf dem Flughafen abläuft. Deswegen habe ich gleich eine freundliche Mitarbeiterin gebeten, mir zu helfen, sodass ich dann um 18:00 Uhr glücklich im Flugzeug saß und sogar am Fenster.

Nach dem das Flugzeug sicher in Brüssel gelandet ist, ich die 2km vom Terminal zum Ausgang gelaufen bin, mein Rucksack auch heile auf dem Gepäckband lag, ich den Zug vom Flughafen zum Gare du Nord gefunden habe, irgendwie meinen 50€ Schein in Kleingeld gewechselt habe, im richtigen Zug zum Stadtzentrum saß, den Weg vom Bahnhof zum Hotel gefunden habe und im Hotel eingecheckt habe, lag ich dann abends um 23:00 Uhr müde aber glücklich im Bett. Wenn ich das hier so schreibe, hört sich das alles ganz locker und flockig an, allerdings war es echt nervendaufreibend und am Ende das Tages war ich froh, dass ich es nach Brüssel geschafft habe.

Tag 1 des Seminars

Der nächste Tag, Montag, begann mit einem fantastischen Hotelfrühstück. Allerdings fand ich es sehr gewöhnungsbedürftig alleine zu frühstücken, da ich sonst nie alleine frühstücke. Zum Glück habe ich in den nächsten Tagen zusammen mit anderen Teilnehmern gefrühstückt. Danach ging es um 9:00 Uhr zum Gebäude des European Research Council Executive Agency (ERC) bzw. Europäischer Forschungsrates. Unser Hotel (Thon City Hotel Brüssel) lag praktischerweise direkt nebenan, sodass der Weg nur 5min gedauert hat. Dort mussten wir nach der Sicherheitskontrolle erst 10mim für unseren Besucherausweis anstehen, ohne den man nicht in die Gebäude der Europäischen Union reindarf.

Ich war total nervös, weil ich nicht wusste, wer genau alles noch zu dem Seminar kommt und wie der Rahmen sein wird. Doch als ich dann die anderen Teilnehmer getroffen habe, von denen niemand älter als 30 Jahre alt war, hat sich meine Aufregung gelegt. Insgesamt waren wir 21 Teilnehmer aus ganz verschiedenen Ländern und verschiedenen Situationen. Die meisten haben ihren EVS schon gemacht und waren zwischen 20 und 30 Jahre alt, weshalb ich die Jüngste war, aber das war nicht schlimm. Unsere Gastgeber waren drei Angestellte der Europäischen Kommission sowie ein Mann, der sich auf Kommunikation sowie Seminare spezialisiert hat und unser Seminar methodisch angeleitet hat. Alle waren sehr nett und gar nicht so förmlich wie man sich es in Verbindung mit der Europäischen Kommission immer vorstellt.

Das Ziel des Kick-off meeting war es, ein Netzwerk um den Europäischen Solidaritätskorps zu bauen. Wie genau, das war uns allerdings komplett freigestellt und auch von Seiten der Europäischen Kommission gab es keine Vorgaben. So kam am Ende des ersten Tages die existenzielle Frage auf: „Wer sind wir (wir 21 Teilnehmer) eigentlich?“. Und die Antwort von unseren Gastgebern lautete: „Wer wollt ihr denn sein?“ Es war total schwierig und ungewohnt, sich von Vorgaben und Regeln zu lösen, die ansonsten unseren Alltag beherrschen, aber es ist auch sehr spannend die Grenzen des eigenen Horizontes auszukundschaften. Allerdings ist das sehr anstrengenden und auch manchmal frustierend, sodass wir am Abend der Tage oft ziemlich müde waren. Außerdem muss man auch erstmal 21 verschiedene Vorstellungen und Ideen auf einen gemeinsamen Nenner bringen, was gar nicht so einfach ist, zumal es auch in einer Fremdsprache passiert.

Am späteren Abend haben wir dann in einem äthiopischen Restaurant gegessen und auf dem Weg dorthin haben wir auch den schönen Grand Place besucht. Das Abendessen war sehr lecker (ich habe noch nie äthiopisch gegessen) und mit vielen interessanten Geschichten, da wir uns ja alle noch nicht kannten. Und jetzt verstehe ich auch warum Leute und u.a. Politiker so oft essen gehen, da nämlich bei lockeren Gesprächen die besten Ideen kommen.

Tag 2 des Seminars

Am zweiten Tag, Dienstag, ging es dann hauptsächlich um eine Struktur des zukünftigen Netzwerkes und ich habe viel über Entscheidungsfindung und Methoden gelernt, z.B. die Open Space Methode. Mittagessen gab es übrigens immer in der Kantine des Gebäudes, in der es mir besonders gut gefallen hat, dass neben den Nährwertangaben der einzelnen Gerichte auch immer die Auswirkungen auf die Umwelt wie zum Beispiel Emissionen geschrieben standen.

Tag 3 des Seminars

Am dritten Tag sind dann Vertreter einiger Nationalagenturen sowie Aufnahmeorganisationen dazugestoßen, sodass wir um die 40 Personen waren. Zu Anfang haben wir ihnen in aller Kürze unsere Ideen vorgestellt und sie danach diskutiert. Das war sehr intensiv und vor der Mittagspause auch ein wenig frustrierend, da wir teils dasselbe wieder besprochen haben, worum es schon in den vorherigen Tagen gegangen ist. Ich verstehe jetzt auch, warum sich politische und europäische Entscheidungen oft so schwammig und nicht konkret anhören, einfach weil es unglaublich schwer ist, 40 oder mehr Ideen zu einer zu bündeln.

Der Nachmittag war dann die Fortsetzung davon, bevor wir in einem marokkanischen Restaurant zu Abend gegessen haben.

Tag 4 des Seminars

An den letzten Tag hatte ich dann etwas höhere Erwartungen, da dies ja der Tag war, an dessen Ende wir etwas Handfestes haben wollten. Diesmal waren wir nicht im, sondern im Gebäude der Generaldirektion für Bildung, Jugend, Sport und Kultur der Europäischen Kommission im Europäischen Viertel. Nach der 30-minütigen Sicherheitskontrolle haben wir dann um 10:00 Uhr damit begonnen, uns auf einen Namen für unser Netzwerk zu einigen. Das war aber schwieriger als gedacht, sodass wir uns auf einen Arbeitstitel geeinigt haben, bevor wir weiter zur Aufgabenverteilung gekommen sind. Allerdings lag der Fokus dort nur auf der Verteilung, also wer macht was und nicht auf dem Inhalt, also wer macht was. Ich bin jetzt in der Gruppe Marketing und Werbung. Der dritte und letzte Punkt auf unserer Agenda für Donnerstag war, wer unsere Ergebnisse auf der Europäischen Jugendwoche vom 28.04-05.05.2019 in Brüssel präsentiert.

Der Abschluss des Tages war dann ein gemeinsames Mittagessen in der Kantine des Europäischen Kommissionsgebäude, die echt riesig ist. Auf den Tellern ist sogar die EU-Flagge gedruckt! 🙂 Außerdem ist es schon ein cooles Gefühl dort zu sein, wo politische Entscheidungen getroffen werden und wo Menschen aus ganz Europa zusammenarbeiten.

Nach dem Mittagessen sind einige u.a. ich zurück zum Seminarraum gegangen, um das Besprochene in die Tat umzusetzen. Gegen 15:30 Uhr habe ich mich dann auf den Weg zum Südbahnhof gemacht, wo mein Zug um 16:22 Uhr nach Frankfurt am Main abgefahren ist und den ich nicht verpassen wollte. 😉 Von Frankfurt ging es weiter nach München und von dort aus nach Salzburg, wo ich um 1:30 Uhr angekommen bin. Von dort aus fuhr der Zug nach Wien um 3:50 Uhr, wo er um 6:30 Uhr angekommen ist. Lese hier meine Gedanken zur Reise.

Zusammenfassend war das Kick Off Meeting der Europäischen Solidaritätskorps Botschafter (immer noch ein Arbeitstitel) inspirierend, intensiv, motivierend, energievoll, anstrengend, 100%-ig, diskussionsreich und positiv. Es passiert nicht oft, dass solch eine Organisation wie die EU Entscheidungen in die Hände von jungen Leuten legt und ich freue mich ein Tei davon zu sein. Vielleicht bin ich in dem Punkt ein wenig zu naiv, aber es fühlt sich wirklich so an, als ob wir etwas verändern können. Und sei es vorerst nur im kleinen Maße, ein kleiner Stein zieht große Kreise…

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