Ganz normale Woche

Ganz normale Woche

Es ist in der letzten Woche zwar nicht viel passiert, aber so ganz normal war sie dann doch nicht

Montag

Fangen wir mal mit Montag an. Der erste Schultag in Balatonfüred nach den Weihnachtsferien. Kann sein, dass es an den Ferien liegt, denn am Montagmorgen hatte ich nicht so viel Lust, früh aufzustehen und zur Schule zu fahren. Aber was ganz faszinierend ist, dass die immerwährende gute Laune der Kinder ansteckt, sodass sich dann meine Laune während des Tages gebessert. Nach der achten Stunde für die Vorbereitung der Achtklässler für die Aufnahmeprüfung der Gymnasien hat mich Melinda mit nach Hause genommen, sodass ich um 16:30 Uhr zu Hause war. Dort habe ich dann die Weihnachtsdekoration wieder verstaut und Abendessen gekocht. Am Abend haben Svetlana und ich ein wenig Ungarisch gelernt, da wir am Mittwoch einen kleinen Test in der Ungarischstunde geschrieben haben. Um 21:30 Uhr ging’s dann ins Bett, da der Bus nach Balatonfüred am nächsten Tag um 6:40 Uhr fährt.

Dienstag

Am nächsten Tag war leider der Bus am Morgen sehr verspätet, da das Wasser auf den Straßen über Nacht zu Eis gefroren ist und es effektiver ist, Schlittschuhe zu benutzen, anstatt zu Fuß zu gehen. 😀 Zum Glück hat aber der Bus in Tótvázsony, wo ich immer umsteigen muss, auf den verspäteten Bus aus Nagyvázsony gewartet, sodass ich noch rechtzeitig zur Schule gekommen bin. Mitagessen habe ich in der Schulmensa gegessen und in diese Woche gab es (wie immer!) Fleisch, aber mit einer süßen Kirschsauce und angebratetem Gries. Zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig, jedoch lecker. Die Theater-AG am Nachmittag hat Spaß gemacht, da wir jetzt mit dem eigentlichen Theaterstück angefangen haben, das ich überings geschrieben habe. Es handelt von einem Engel, der keine Flügel mehr hat und nun irgendwie versuchen muss, sie wieder zu bekommen. Der Grund, warum ich das Theaterstück geschrieben habe ist, weil wir im Internet kein Stück gefunden haben, in dem die Sprache ganz einfach war, da die Kinder ja alle gerade deutsch lernen.

Am frühen Abend ist dann ein Mädchen aus Tótvázsony namens Réka zu mir gekommen, da ich mich mit ihr einmal wöchentlich zum Deutschüben treffe. Sie geht in die siebte Klasse der Grundschule in Tótvázsony und versteht schon ziemlich viel, was ich so rede. Unser Thema war diesmal „Familie“ und wir haben einen Stammbaum gemalt und diesen dann erklärt. Dabei habe ich auch gelernt, dass die Ungarn vier verschiedene Begriffe für ihre Geschwister haben, je nachdem ob es ein älterer oder jüngerer Bruder oder eine ältere oder jüngere Schwester ist. Wie gut, dass ich nur einen älteren Bruder habe, denn so muss ich mir nur das Wort „báty“ bzw. für „meinen Bruder“ „bátyam“ merken!

Mittwoch

An den restlichen Tagen kann ich länger schlafen, da es zur Schule im Dorf nur 7min zu Fuß sind, sodass ich, wenn ich zu ersten Stunde da sein muss, immer erst um 7:30 Uhr aufstehe. 🙂 Nach drei Stunden mit der dritten und der zweiten Klasse, beginnt dann um 10:45 Uhr Svetlanas und mein Ungarischunterricht bei einer Schweizerin, die in Nagyvázsony wohnt. Diesmal haben wir zum Abschluss der ersten drei Lektionen einen kleinen Test geschrieben, in dem ich keinen Fehler gemacht habe. Nächstes Mal gibt es noch einen Test, aber leider ist das schon unserer letztes Ungarischunterricht. Um 12:15 Uhr sind wir nach Hause gegangen, um Mittag zu essen und um 14:00 Uhr bin ich kurz wieder in die Schule gegangen, um bei den Hausaufgaben zu helfen. Das dauert meistens nur eine Viertelstunde und weil die Chorproben erst nächste Woche anfangen, (eigentlich fahre ich am Mittwochnamittag immer nach Veszprém zum Chor) bin ich stattdessen ins Jugendzentrum gegangen.

Als ich meine E-Mail Postfach geöffnet habe, habe ich dort eine ganz tolle E-Mail gefunden. Und zwar eine Einladung für das „Kick off meeting“, also das erste Treffen der Europäischen Solidaritätskorps „Peers“ bzw. Botschafter. Es ist ein viertätiger Workshop Ende März in Brüssel und ich wurde als eine der Teilnehmer/innen ausgewählt, worüber ich mich wahnsinnsig freue. Wenn alles glatt geht, fahre ich also im März nach Brüssel! 😀

Auch meine Chefin, Rita, hat sich darüber sehr gefreut, als ich es ihr am Abend erzählt habe. Rita hatte nämlich zwei Konzertkarten übrig und hat Svetlana und mich gefragt, ob wir mitkommen wollten. Das Konzert war von der ungarischen Band „Budapest Bár“ und war in Veszprém in der Hangvilla. Zusammen mit ihren Eltern, die beide auch deutsch und ein wenig englsich sprechen, sin wir dann also am Mittwochabend dorthin gefahren, was ich echt total nett fand. Allerdings bin ich immer noch ein wenig überfordert, wenn die Gespräche auf ungarisch, englisch und deutsch gleichzeitig stattfinden, zumal ich jetzt auch ein wenig auf ungarisch von mir geben kann. Als ich mich dann im Konzertsaal auf meinen Platz gesetzt habe, dachte ich, ich wäre im falschen Film, als meine Sitznachbarn plötzich angefangen haben, deutsch zu sprechen! Mehr dazu findest du hier. Das Konzert hat mir gut gefallen, die Musik war so etwas wie eine Mischung aus traditioneller ungarischer Volksmusik, Zigeunermusik, Jazz und Klezmer. Bei meinem Song of the Week kannst du dir das mal anhören.

Donnerstag

Am Donnerstag bin ich in der ersten Schulstunde immer in der ersten Klasse, was mir Spaß macht, weil die Kinder noch echt klein sind. Danach bin ich dann in der vierten, achten, fünften und siebten Klasse. Da Svetlana und ich am Wochenende gerne schwimmen wollten, habe ich Heni (eine Deutschlehrerin, bei der ich zuerst dachte, sie käme aus Deutschland, weil sie nahezu perfekt Deutsch spricht) gefragt, wo man denn in der Umgebung schwimmen gehen kann. Sie hat mir ein paar Schwimmbäder aufgeschrieben und mir auch angeboten, mit zum Klettern zu kommen, da ihr Mann nämlich Sportlehrer und Kletterlehrer ist. Darüber habe ich mich sehr gefreut!

Am Nachmittag war ich im Jugendzentrum, um an meinem kleinen Film, den ich gerade mache, weiterzuarbeiten und um mit Dávid Ungarisch zu lernen. Diesmal war die Vergangenheit dran, von der es im ungarischen zum Glück nur eine Form gibt. Um 19:30 Uhr bin ich nach Hause gegangen und habe noch zwei Arbeitsblätter für die Schule in Balatonfüred gebastelt.

Freitag

Da ich am Freitag nur die vierte und fünfte Stunde habe, kann ich immer ausschlafen. 🙂 In der fünften Stunde mit der fünften Klasse haben wir für die deutsche Pinnwand gebastelt, über das Thema „Unser Wohnort“. Danach bin ich zuerst nach Hause gegangen und dann um 14:50 Uhr mit dem Bus nach Veszprém zur Orchesterprobe gefahren. Vor dem Orchester war ich noch schnell im Spar einkaufen, da wir am Wochende Pizza backen wollen. Dort habe ich dann einen vom Chor getroffen und wir haben uns unterhalten, weshal ich es dann nicht mehr zu dm geschafft habe, wo ich eigentlich noch Fotos ausdrucken wollte. Naja, nächste Woche. Um 16:00 Uhr hat das Orchester angefangen und zwar zuerst mit Stimmproben und dann die Tutti-Probe. Worüber ich mich auch sehr freue, dass wir (also das Orchester) vom 01. bis zum 06. Juni zu einem Orchesterfestival nach Bulgarien fahren und dass das jetzt fest steht. Und zwar fahren wir in eine Stadt direkt am schwarzen Meer und pro Person kostet es umgerechnet 90€. Für deutsche Verhältnisse, wo ich für ein Wochenende schon 90€ bezahle, super günstig. Allerdings muss ich bis dahin noch viel Ungarisch üben!

Nach der Orchesterprobe wurde ich netterweise mit dem Auto mitgenommen, sodass ich schon um 18:00 Uhr zu Hause war. Am Aend haben Svetlana und ich den Film „Doctor Strange“ geguckt, den ich ganz gut finde.

Samstag

Abenteuer Schwimmbad war heute angesagt! Dazu sind wir in die Kleinstadt Ajka, nördlich von Nagyvázsony gefahren, wohin es glücklicherweise ein paar Direktbusse gibt. Um 12:20 Uhr sind wir am Busbahnhof in Ajka angekommen und mussten von dort aus erst mal das Schwimmbad bzw. den Eingang des Schwimmbades finden, was komischerweise nicht ganz so einfach war. 😀 Endlich gefunden, habe ich es dann geschafft, mit meinen vorher sorgfältig zurechtgelegten ungarischen Sätzen, zwei ermäßigte Tickets für das Schwimmbad zu kaufen. Das Schwimmerbecken in Ajka ist recht groß mit acht Bahnen und sonst gibt es noch ein kleines, flaches Becken und eine Sauna. Viel Betrieb war nicht, allerdings wurden Svetlana und ich erst mal vom Badmeister rausgepfiffen, weil wir keine Badekappen hatten. Wer hätte das gedacht! Svetlana war darüber allerdings nicht erstaunt, weil eine Badekappe in öffentlichen Schwimmbädern in Italien anscheinend auch Pflicht ist, aber ich war schon überrascht. Netterweise hat der Bademeister uns welche geliehen (man lobe meine Verständigungskünste) und dann war alles okay. Für den Bus zurück nach Nagyvázsony mussten wir uns ein wenig beeilen, haben ihn dann aber trotzdem noch gekriegt.

So, und jetzte mache ich den Pizza Teig für morgen. Oder heute, wer weiß?

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