Italienischer Verkehr

Italienischer Verkehr

Oder wenn Stereotypen wahr werden

Stereotypen sind so eine Sache. Eigentlich will man sie nicht, aber man hat sie. Sie sind ein verzerrtes Bild von etwas, was man nicht kennt, z.B. ein Land, in dem man noch nicht war. Dadurch entstehen Vorurteil, also man urteilt etwas, von dem man gar keine Ahnung hat. Das Beste ist also, wirklich Erfahrungen machen, denn dadurch werden Stereotypen meistens wiederlegt.

Die französisch sprechenden Franzosen

Aber manchmal ist dann doch etwas Wahres dran. Zum Beispiel hielt ich lange das Stereotyp der Franzosen, die keine Fremdsprachen sprechen wollen für übertrieben. Viele Franzosen sprechen sehr gut Englisch und Deutsch. Trotzdem sprechen sie auch sehr gerne ihre eigene Sprache. Sobald die Freiwilligen oder andere Leute aus Frankreich gemerkt haben, dass ich noch ein paar Brocken Schulfranzösisch kann, wurde ins Französische gewechselt. Das ist ja auch nicht schlecht, denn so kann ich wenigstens mein Französisch üben. Aber meistens lief es dann so ab, dass sie auf Französisch geredet haben und ich auf Englisch geantwortet habe. Stereotypen sind eben nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Italienisches Chaos

Ein anderes Beispiel ist außerdem der Verkehr in Italien. Da es in Deutschland nahezu undenkbar ist, dass Autos und sonstige Fahrzeuge kreuz und quer durch die Straßen fahren, konnte ich mir schwer vorstellen, dass das woanders Realität ist. Bestimmt gibt es innerhalb Italiens große Unterschiede, aber der Verkehr in Palermo und Umgebung ist wirklich einen Sizilienbesuch wert. Ich fahr sehr froh, dass ich immer nur Mitfahrer war.:D Ein paar Beispiele:

  • Regel Nr. 1: „Ich bin immer im Recht und die anderen müssen Platz machen.“
  • Generell gibt es außerhalb der Schnellstraßen und Autobahnen keine weißen Leitlinien auf der Straße, was mich gleich schon überfordert hat. Denn dadurch fehlen z.B. Rechts- und Linksabbiegerspuren, Standstreifen und Haltelinien.
  • Während in Deutschland das Hupen eher mit negativem Beigeschmack oder wenn jemand die grüne Ampel nicht bemerkt, benutzt wird, bedeutet das Hupen der Italiener „Achtung ich bin hier!“ oder „Ich komme!“
  • Das Rechtsfahrgebot existiert nur, wenn die Straßen leer sind, also nie.
  • In meinem Fahrschulunterricht habe ich in Lektion Nr. 2″Gefühle im Straßenverkehr“ gelernt, dass der ruhige und gelassene Autofahrer der bessere ist. Die Italiener glauben anscheinend an das Gegenteil. Es wird sich gerne lautstark über den anderen aufgeregt, auch wenn es dadurch nicht besser wird.
  • Die Straßenschilder sind zur Deko. Mit Ausnahme des Einbahnstraßenschildes.
  • Mit dem Moped bist du schneller. Alle drängeln sich an den stehenden Autos vorbei.
  • Durch das Labyrinth der engen Gassen und Einbahnstraßen findest du nur mit einem Einwohner.
  • Ampeln sind eher eine Empfehlung als eine Regel.
  • Wenn du das Fahrrad nimmst, schreibe schon vorher dein Testament.
  • Dein Auto ist 3m lang und die Parklücke 2,50m? Passt!

Der Unterschied zum Verkehr in Deutschland ist allerdings, dass die Verkehrsteilnehmer viel mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Es passierte nur äußerst selten, dass wir angehupt wurden, weil wir bei Rot über die Ampel gegangen sind. Oder in Deutschland wurde z.B. der Autofahrer den Fußgänger fast anfahren, wenn dieser 7m rechts vom Zebrastreifen über die Straße geht. In Sizilien ist das kein Problem. Es wird eben vieles nicht so eng gesehene, was auf der einen Seite gut und auf der anderen Seite auch schlecht ist. So viel zum Verkehr auf Sizilien… 🙂

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