Mein erster richtiger Tag und ein aktives Dorfleben

Mein erster richtiger Tag und ein aktives Dorfleben

Gestern war für uns ein kleiner Einführungstag, denn gestern waren wir alle zusammen im Jugendzentrum und haben wir die anderen Mitabeiter von Fekete Sereg kennenglernt, Erik und Feri, sowie ein paar Kinder, die oft ins Zentrum kommen.

Aber zuerst sind Chiara und ich zusammen mit David zur Bank gegangen, um ein Konto für uns zu eröffnen. Das bedeute, viel Papierkram zu unterschreiben, von dem man kein einziges Wort versteht. Aber David hat fleißig für uns übersetzt und die beiden Damen von der Bank waren total aus dem Häuschen, als ich meine Steuernummer auf Ungarisch vorgelesen habe.

Als das erledigt war, sind wir in’s Jugendzentrum gegangen, wo uns Rita alles Mögliche erklärt hat, u.a. wie unsere Arbeitswoche genau aussieht. Ich werde also zwei Tage in der Woche in der Schule in Balatonfüred, zwei Tage in der Schule in Nagyvázsony und am Freitagnachmittag im Jugendzentrum arbeiten. An den anderen Nachmittagen können wir ebenfalls immer in das Zentrum kommen, müssen aber nicht. Zudem werde ich erst ab Oktober in den Schulen sein, da gerade erst die Ferien vorbei sind und alles noch ein wenig drunter und drüber geht, ganz ähnlich wie in den Schulen in Deutschland.

Außerdem hat uns Rita die kommenden Veranstaltungen gezeigt. Zu meiner Freude sind das im September einige, z.B. eine Konferenz, die von Fekete Sereg veranstaltet wir und am 29.09 das alljährliche Weinfest in Nagyvázsony. Eine andere Sache, die ich sehr schätze, ist, dass die ganze Organisation äußert flexibel ist und dass wir im Prinzip alles machen können, wenn wir nur Bescheid sagen, beispielsweise eigene Projekte durchführen. Quasi eine Unterstützung der Selbstständigkeit. Gefällt mir! 😀

Den Rest des Nachmittags haben wir dann im Jugendzentrum verbracht und uns mit Ferri, Erik, David, Rita und auch ein wenig mit den Kindern unterhalten. Als alle um 19:30 Uhr nach Hause gingen, (das Jugendzentrum hat werktags von 14:00 Uhr bis 19:30 Uhr geöffnet) habe ich noch Rita nach Hause begleitet, um mein Fahrrad abzuholen, das sie mir leiht. Die Gegend hier eignet sich nämlich gut zum Fahrrad fahren, weshalb ich gefragt habe, ob ich nicht ein Fahrrad bekommen könnte. Fragen kostet ja nichts und bringt oft Erfolg. 😉

Heute Morgen habe ich dann meine Mentorin getroffen. Für die persönliche Unterstützung hat jede/e EVS-Freiwillige/r ein/e Mentor/in, mit dem/der es regelmäßige Treffen gibt und der/die nicht in die alltäglichen Tätigkeiten der Einsatzstelle eingebunden ist. In meinem Fall ist das Viola, Mutter von drei Kindern, die alle die Schule in Nagyvázsony besuchen. Ihr Englisch ist nicht das Beste aber sie ist sehr nett.

Heute war es im Vergleich zu den vorherigen Tagen sehr warm, sodass ich die Chance genutzt habe, das Dorf und die Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden. Dabei war ich auch auf der Suche nach Apfelbäumen an der Straße, wie ich das aus Nettlingen kenne. Ich möchte nämlich gerne Apfelmus kochen und dafür keine Äpfel kaufen. Aber, man glaubt es kaum, weit und breit kein einziger Apfelbaum am Weg-und Feldesrand, stattdessen viele andere Bäume, die ich nicht identifizieren konnte. Doch als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, habe ich einen kleinen Apfelbaum (mehr Busch als Baum) entdeckt und fleißig Äpfel aufgesammelt. In den nächsten Tagen will ich also probieren, Apfelmus ohne Einkochautomat zu kochen und hoffe, dass es mir gelingt. Der Ofen, sowie der Herd sind nämlich mit Gas betrieben, was ich nicht gewöhnt bin und den Ofen muss man mit einem Streichholz anzünden.:D

Auf meiner Entdeckungstour durch Nagyvázsony wurde ich sehr positiv überrascht. Das Dorf ist wirklich groß (nagy heißt auch groß) und hat ein überaus aktives Dorfleben: es gibt

  • mehrere Kirchen
  • drei Supermärkte
  • mehrere Pensionen
  • mehrere Restaurants und Kneipen
  • eine Schule
  • einen Kindergarten
  • einen Friseur
  • eine Post
  • eine Bank
  • das Jugendzentrum
  • einen Dorf-Chor
  • einen Schreibwarenladen
  • einen Fußballplatz

und bestimmt noch viel mehr, von dem ich noch nichts weiß. Ich finde das sehr bewundernswert und einfach toll, denn in Zeiten, in denen immer mehr junge Leute in die Stadt ziehen und die Dörfer leer werden, ist Nagyvázsony ein vorbildliches Gegenbeispiel.

 

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