Merci beaucoup et à bientôt!

Merci beaucoup et à bientôt!

Da ziehen sie dahin, die alten Fachwerkhäuser, neue Designergebäude und verschnörkelte Eisenbrücken und schwups, bin ich schon auf der anderen Seite des Rheins und wieder in Deutschland. „…aufgrund aktueller Reisebeschränkungen der deutschen Bundesregierung, tragen Sie bitte Ihre Kontaktdaten in ein Onlineformular ein…“, tönt es aus dem Lautsprecher des TGVs. Ach ja, Corona gibt es auch noch, das hätte ich während den drei Wochen auf der Ferme des Embetschés fast vergessen. Da die Region Grand-Est während meines Aufenthaltes zum Risikogebiet erklärt wurde, muss ich mich also für die nächsten 14 Tage in Quarantäne begeben, aber ich habe gleich heute Morgen im Passauer Krankrenhaus einen Corona Test machen lassen, sodass ich die Quarantäne hoffentlich verkürzen kann.

Meine letzte Woche war etwas ruhiger, (hier geht’s zu den ersten zwei Wochen) da nicht mehr so viele Zicklein geboren wurden. Wenn sie fünf Tage alt sind, bekommen sie nicht mehr die Muttermilch aus der Flasche, sondern Milch aus Wasser und Milchpulver, die eine Maschine anrührt und über einzelne Saugköpfe verteilt. Das bedeutet, wesentlich weniger Arbeit für uns, da man es den Zicklein nur noch beibringen muss, den Sauger zu finden und das dauert meist nur zwei Tage. So konnten wir nach und nach die einzelnen Gehege abbauen, sodass nur noch ein großes Gehege mit ca. 200 Zicklein übrig bleibt.

Als weniger bei den Ziegen zu tun war, habe ich mehr in der Käserei gearbeitet, wo nun mehr Arbeit anfiel, da ja auch die Milchproduktion höher war. Dort habe ich also Käse verpackt, die Frischkäsemasse in einzelne Stücke geformt, (auf Französisch heißt das „taper“, aber ich habe keine deutsche Übersetzung gefunden; es ist gar nicht so einfach!) den Frischkäse mit verschiedenen Gewürze ummantelt und konnte sogar bei der Herstellung von den besonderen Käsesorten, dem Camembert und dem Hartkäse zuschauen. Dabei hat mir Thierry, der Käsemeister, alles auf Deutsch erklärt, worüber ich sehr froh war, da ich dadurch mehr als die Hälfte verstanden habe. 🙂 Außerdem war die Arbeit in der Käserei auch eine Französisch-Dusche, da wir dort meistens zu viert oder zu fünft gearbeitet haben und ich somit die ganze Zeit Französisch gehört habe und mich auch manchmal in die Gespräche mit eingebracht habe. Außerdem war in der Käserei immer gute Laune angesagt!

Während meiner letzten eineinhalb Woche hab ich zudem mit einem neuem WWOOFer, John aus England zusammengewohnt. Welch‘ gute Gelegenheit, gleich noch ein paar „echt englische“ Ausdrücke und Wörter von einem Muttersprachler zu lernen! Zu dritt haben wir einen kleinen Nachmittagsausflug nach Colmar gemacht, was mir sehr gut gefallen hat. Als ich ganz am Anfang mit dem Zug in Colmar angekommen bin und dort in den Bus umgestiegen bin, habe ich wegen der baufälligen Häuser und grauen Straßen gedacht, dass Colmar nicht sehenswert ist, aber weit gefehlt! Das historische Zentrum von Colmar mit den vielen gut erhaltenen und prächtigen Fachwerkhäusern ist auf jeden Fall einen Ausflug wert! Auch die Größe der historischen Altstadt ist angenehm, da sie nicht zu groß und nicht zu klein ist und gut in zwei bis drei Stunden besichtigt werden kann. Besonders lustig finde ich die vielen deutschen Namen, die sich in Straßennamen, Ortsnamen, Familienname und Namen von Restaurants wiederfinden wie zum Beispiel „Chez Hans“ („Bei Hans“) oder Kaysersberg, ein Ort in der Nähe der Farm.

Am Sonntag habe ich dann meinen letzten freien Tag genutzt, um eine Wanderung zum Berg Tête des Faux (deutsch: Buchenkopf) zu machen. Abgesehen von den ersten zwei Stunden, in denen ich überwiegend auf Straßen oder Feldwegen gegangen bin, war es eine interessante Wanderung, da ich an einigen Überresten von deutschen Bunkern aus dem Ersten Weltkrieg vorbeigekommen bin. Dass sich an dieser Stelle vor ca. 100 Jahren deutsche und französische Soldaten bekämpft haben, konnte ich mir nur schwer vorstellen. Da der Gipfel bewaldet ist, wurde ich nicht mit einem Panoramablick belohnt, aber dafür mit dem letzten Oktobersonnenschein und später mit einem guten Blick auf die Farm und unsere Hütte, die am gegenüberliegenden Berghang liegen. Am Abend habe ich dann allerdings ganz schön meine Beine gespürt, denn die 690 Höhenmeter haben sich bemerkbar gemacht.

Die letzten Tage vergingen viel zu schnell und am letzten Tag hatte ich das Glück, ein gemeinsames Mittagessen mit allen, die auf der Farm arbeiten, mitzuerleben, natürlich mit Corona konformen Abstand in einer Garage. Es gab viel leckeres Essen u.a. Pizzen mit Ziegenkäse und elsässischer Wein und ich fand es einen schönen Abschluss für mein kleines Abenteuer. Die Stimmung war gut und obwohl ich nicht viel von den Gesprächen verstanden habe, konnte ich doch mitlachen.

Nun, da ich im gleichen Zug sitze, mit dem ich auch angereist bin, überlege ich, welchen Schluss ich aus meinem WWOOF-Aufenthalt in Frankreich ziehen kann. Auf jeden Fall hat es mir so gut gefallen, dass ich gerne noch einmal wiederkommen möchte! Obwohl ich es am Anfang schwierig fand, die Abläufe auf der Farm und die Menschen auf Französisch zu verstehen, was mich sehr an die ersten Wochen in Ungarn erinnert hat (http://paulasblog.de/when-in-rome-do-as-the-romans-do/), hat es sich rasant verbessert. Gerade für mein Französisch waren die drei Wochen Gold wert, da ich dadurch nicht nur viele neue Wörter gelernt habe, sondern viel wichtiger, mich nun endlich auch traue französisch zu sprechen. Thematisch bzw. fachlich war die Arbeit auf der Farm etwas ganz anderes als mein Studium und es „nützt“ mir in der Hinsicht auch nicht, aber was gibt es langweiligeres als immer geradeaus zu laufen und sich strikt an den „Karriereplan“ zu halten? Vielleicht hilft mir das Wissen nicht direkt in meinem Studium, aber erstens finde ich es wichtig, über den Tellerrand zu blicken und in andere Lebenswelten hineinzuschauen, zweitens „nützt“ Wissen immer, egal welcher Art.

Aber WWOOFing bietet einem nicht nur die Möglichkeit, sich neues Wissen anzueignen, sondern auch tolle Menschen und spannende Geschichten kennen zu lernen. So interessieren sich die Farmmitarbeiter und WWOOFer z.B. alle für die Natur, Umweltschutz, Fahrradfahren und eher weniger für die neusten Netflixserien und da sich Gleiches gerne mit Gleichem umgibt, habe ich mich sofort wohlgefühlt. Ich nehme also nicht nur Wissen zur Käseherstellung mit, sondern auch eine Playlist voller neu entdeckter Musik und Ideen für meine nächste Fahrradtour.

Ich habe es sehr genossen, für drei Wochen in einer komplett anderen Umgebung zu leben. In den ersten zwei Wochen war ich mit meinen Gedanken ausnahmslos bei der Farm, der Landschaft und dem Französischen und erst in der letzten Woche habe ich mich wieder mit der Uni und allen anderen Dingen in Passau beschäftigt. Schließlich fängt das Wintersemester in vier Tagen schon an. Die zwei Wochen „Urlaub“ waren aber auch sehr schön und jetzt habe ich richtig Lust auf das kommende Semester, trotz dass es wieder komplett online ablaufen wird.

Ich verlasse Frankreich mit einem Rucksack voller Dankbarkeit gegenüber allen, mit denen ich auf der Farm zusammen gearbeitet und gewohnt habe, vollem interessanten Wissen über die Ziegenhaltung und Käseherstellung, vielen neu gelernten französischen Wörtern, neuen Ideen zum Thema Berufswahl und unglaublich viel Ziegenkäse, den mir Thierry zum Abschied geschenkt hat. Also, vielleicht bis bald?

mein Eintrag im Gästebuch

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