Neues Jahr, neue Freiwillige

Neues Jahr, neue Freiwillige

Corona zum Trotz treffen viele junge Menschen die – wie ich finde – gute Entscheidung, einen Europäischen Solidaritätskorps zu machen und auch diesen Herbst reisen viele Jugendliche für ihren ESK ins Ausland. Ich bin zwar nun schon seit fast einem Jahr wieder in Deutschland, aber glücklicherweise noch im Geschehen der Freiwilligendienste und des ESKs unterwegs, nur mitlerweile als Erfahrende. 🙂

Von der Teilnehmerin zur Teamerin

Meine ehemalige Entsendeorganisation ijgd bietet allen ehemaligen Freiwilligen, wenn sie denn wollen, die Möglichkeit, selbst einmal die Vorbereitungsseminar und Nachbereitsungsseminar der aktuellen Freiwilligen als Teamer*in mitzugestalten. Dazu nimmt man erst an einem Ausbildungsseminar teil und kann dann seine ersten Seminare mitgestalten, natürlich in Zusammenarbeit mit einem oder einer Hauptamtlichen von ijgd. Zudem ist man nach dem abgeschlossenen Ausbildungsseminar berechtigt, eine Juleica-Karte zu beantragen. Juleica (Jugendleiter*in) steht für einen gewissen Standard in der Jugedarbeit, da jede*r Juleica-Inhaber*in  eine Ausbildung nach festgeschriebenen Standards absolviert hat. Die Juleica-Karte ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in der Jugendarbeit, die zur Legitimation und als Qualifikationsnachweis der Inhaber*innen dient. Da mir die Seminare sowohl von ijgd in Deutschland als auch die Seminare in Ungarn super gut gefallen haben und ich Lust habe, solche Seminar selbst zu gestalten, habe ich mich in die Liste für das Teamer*in Ausbildungsseminar Mitte April eingetragen.

Aubildungsseminar online...

Leider konnte das Ausbildungsseminar aufgrund der Pandemie nicht wie geplant im April stattfinden, sodass es durch ein fünftägiges Online-Seminar im Juni ersetzt wurde. Obwohl das lange Sitzen vor dem Laptop und die Tatsache, dass ich alleine in meinem Zimmer saß und nicht mit vielen anderen Teilnehmer*innen im Seminarraum anstrengend war, war ich erstaunt, wie intensiv und lehrreich unser Online-Ausbildungsseminar war. Insgesamt waren wir ungefähr 15 Teilnehmende und die Themen waren beispielsweise Seminarplangestaltung, Rechtliches zum Thema Jugendschutz, Kommunikation, Moderieren von Gruppen, Feedbackmethoden und das Anleiten von Gruppendiskussionen.

... und in persona

Worüber ich mich besonders gefreut habe war, dass wir uns im Juli dann nochbeinmal mit derselben Gruppe zum zweiten Teil des Ausbildungsseminars live und in Farbe getroffen haben. Diesmal war das Ziel, das Gelernte auch in der Praxis anzuwenden, sodass jeder mal eine Seminareinheit mit der Gruppe ausprobieren konnte. Für vier Tage haben wir uns dazu im Jugend- und Bildungshaus Tettenborn im Harz getroffen, das eine wirklich tolle Jugendbildungsstätte ist. Seit der Jugendbegegnunng in Spanien im Februar war das  nach einer langen Zeit wieder mein erstes Seminar und ich habe es dementsprechend genossen, aber natürlich war es mit der Vielzahl von Corona Vorsichtsmaßnahmen (Abstand, Maske etc.) auch ein etwas anderes Seminarfeeling. Zusammen mit Ainoa, mit der ich auch später das Vorbereitungsseminar gestaltet habe, habe ich eine Einheit zum Thema „Selbstorganisation und Projektplanung“ gehalten, als Vorbereitung für das Seminar in Berlin. Trotz Corona war das Seminar sehr interessant, hat mich zum Denken aneregt z.B. über die Themen Feminismus und Eurozentrismus und es war hilfreich, einmal unsere Einheit im ungezwungenen Rahmen auszuprobieren. Mit Abschluss beider Teile des Ausbildungsseminars sind wir nun Jugendleiter*innen und können Seminare für aktuelle Freiwillige mitgestalten.

Das Vorbereitungsseminar

Für Ainoa und mich ging es auch schon gleich zwei Tage nach dem Ausbildungsseminar in Tettenborn los und zwar mit dem ersten online Teil des Vorbereitungsseminars der aktuellen Freiwillige, die nun zum September als Europäische Freiwillige nach bspw. Spanien, Frankreich, Estland, Ungarn, Littauen, Dänemark und Belgien gehen. Die Teilnehmende auf ihr kommendes Jahr vorzubereiten und von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten, hat mich sehr an die Zeit erinnert, in der ich kurz vor meiner Ausreise stand und wie ich mich in den ersten Wochen in Ungarn gefühlt habe. Ich habe sogar die kommende Freiwillige für mein ehemaliges Projekt kennen gelernt! Während des ersten Teils habe ich auch wieder die Platform Youthreporter vorgestellt, auf der ich auch Blogbeiträge veröffentlicht habe und die ich schon mal während eines anderen Seminars vorgestellt habe.

Da so eine online Version des Seminares zwar eine tolle Alternative ist, sie aber ein echtes Seminar nicht 100%-ig ersetzen kann, finde ich es gut, dass wir die Gruppe noch ein zweites Mal für zwei Tage im Berliner Büro der ijgd getroffen haben. Hierbei ging es nun weniger um organisatorische Fragen wie Versicherung, Kindergeld und Urlaubstage, sondern mehr um die ebenso wichtigen Aspekte wie den „Kulturschock“, interkulturelle Verständigung, Teambuilding und auch Ainoas und meine Einheit zur Selbstorganisation. Nicht zu vergessen die vielen kleinen Zwischengespräche zwischen Tür und Angel, vor dem Zu-Bett-gehen und am Abend sowie der Austausch zwischen den Freiwilligen, der mit das Wichtigste ist. Natürlich entsteht bei kanpp zwei Tagen nicht dasselbe Gruppengefühl wie bei einem längeren Seminar, aber es war doch erstaunlich, wie schnell wir uns besser kennen gelernt haben, zumal wir die Gesichter schon auf dem Bildschirm gesehen haben. Auch dieses Seminar wurde durch Corona zu einem Besonderen mit ganz viel Hände desinfizieren, Maske tragen und der gemeinsamen Falafel im Park, statt zusammen zu kochen. Trotz alledem, hat es mir viel Spaß gemacht das Seminar mitzuleiten und die Freiwilligen kennen zu lernen und sie für ihr Auslandsjahr vorzubereiten.

Berlin, Berlin!

Darüber hinaus war es für mich das erste Mal seit meinem Abschlussseminar im September 2019, dass ich wieder in Berlin war. Zur Vorbereitung haben Ainoa und ich uns schon ein Tag vorher mit der Hauptamtlichen von ijgd im Büro getroffen, um alle Plakate zu malen und die Einheiten detailliert durchzusprechen und da es von Passau nach Berlin eine Viertel Weltreise ist, musste ich schon am Tag vorher anreisen. Die Nacht konnte ich zum Glück bei einen von Ainoas Freunden in Berlin übernachten und wir hatten einen schönen Abend. Immer wenn ich nach Berlin kommen bin ich hin und her gerissen zwischen dem Gefühl, dass ich Berlin zu groß, zu laut und zu grau finde und der Neugier, herauszufinden, was sich hinter der nächsten Hausecke verbirgt. Was mir besonders gut gefällt sind die vielen kleinen Cafés und Restaurants, in denen man nicht nur unbekannte, ausländische Speisen für wenig Geld probieren kann, sondern auch gemütlich die vorbeilgehenden Menschen beobachten kann. Gerade Kreuzberg und Neukölln sind unglaublich spannend und bunt und gegen einen „Späti“ hätte ich in Passau auch nichts einzuwenden… 🙂

Das war also mein erstes Vorereitungsseminar und ich freue mich auf kommende Vorbereitungs- und Nachbereitungsseminar. Ich finde es schön, dass ich mit meinen Erfahrungen zukünftigen Freiwilligen behilflich sein kann, ihnen Tipps für ihren Freiwilligendienst geben kann und als postiven Nebeneffekt reflektiere ich so auch fortwährend meine eigenen Erfahrungen.

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