Sonnenschein in Barcelona

Sonnenschein in Barcelona

Nach der Jugendbegegnung in Terrassa, die am Freitagabend endete, hatte ich noch die Gelegenheit, bis Montagmorgen die Millionenstadt Barcelona zu besuchen. Glücklicherweise konnte ich bei Jose, den ich beim ersten Treffen des EuSN in Brüssel kennen gelernt habe und der aktuell in Barcelona wohnt, übernachten.

Barcelonas breite Boullevards

Samstagnachmittag bin ich also am Plaça de Catalunya, mitten im Herzen Barcelonas angekommen. Angesichts der Menschenmassen auf dem Platz war ich die ersten fünf Minuten ein wenig erschlagen, da ich seit Januar nicht mehr das beschauliche Passau verlassen habe und gar nicht wusste, was ich in Barcelona zuerst bestaunen sollte. Das Wetter war traumhaft, die Sonne schien und es waren um die 20°C. Mit meinem Koffer bin ich also zuerst in Richtung Joses Wohnung gelaufen und bin dabei auch gleich an zwei Top Sehenswürdigkeiten in Barcelona vorbeigekommen: einmal das Casa Batlló und das Casa Milà vom spanischen Architekten Antoni Gaudí. Barcelona wird in den meisten Stadteilen, aber meisten im Stadteil Eixample (was übrigens „Erweiterung“ auf Katalanisch bedeutet) von schnurgeraden und im rechten Winkel stehenden Straßen durchzogen, was es ermöglicht eine Straße hunderte Meter entlang zu schauen. Die größeren Straßen sind zudem sehr breit und besitzen in der Mitte eine Allee für Fußgänger, etwas, was mir sehr gut gefällt, da es dadurch nicht so beengend wirkt. Nicht so wie in Budapest, wo man auf dem Bürgerstieg einen Meter entfernt vom laut ächzenden Bus läuft.

Nach 40min bin ich auch an der Wohnung angekommen und wurde von einer sehr netten WG-Gemeinschaft empfangen, in der ich mich sofort wohlgefühlt habe. Neben Jose wohnen dort noch ein Mädchen aus Honduras und ein Mädchen aus Schweden, die gerade auch von einem Freund aus Costa Rica besucht wurde. Am Abend haben wir zusammen gekocht und am Sonntagabend sind wir zusammen in eine Bar zum Fußballgucken gegangen.

Die Sagrada Família

Am Samstagabend jedoch habe ich mich zuerst auf eigene Faust auf den Weg zur Basilika Sagrada Família, das wohl berühmteste Bauwerk in Barcelona gemacht. Ich bin ein wenig durch den Stadtteil Vila de Gràcia gelaufen, der mir mit seinen vielen kleinen Bars, Cafés und Obst- und Gemüsegeschäften sehr gut gefällt. Überhaupt gibt es in Spanien viel mehr kleine Bäckereien oder Pattisserien als in Deutschland, die Baguettes, süße Backwaren und natürlich Kaffee verkaufen. In Vila de Gràcia habe ich sogar diesen Laden entdeckt:

ein Stück Deutschland in Barcelona

Schließlich bin in an der Sagrada Família, ein wirklich imposantes Gebäude, angekommen. Seit 1882 wird sie gebaut und soll 2026 fertig gestellt werden. Man weiß gar nicht, was man zuerst betrachten soll, die vielen Verziehrungen an der Fassade, die einzelnen Türme, die Aufschriften oder die Touristengruppen rundherum.

Danach bin ich ein wenig weiter südlich gelaufen, bin am hübschen Gebäude La Monumental vorbeigekommen, über den Plaça de Tetuan gelaufen und schließlich wieder in die Rambla de Catalunya nördlich des Plaça de Catalunya abgebogen. Auch hier tummelten sich Touristen, manche von ihnen saßen in den Touristen Restaurants und Straßenverkäufer boten Souvenirs an.

Mitten unter Einheimischen

In der Wohnung haben wir, nachdem ich meine Füße ausgeruht hatte, gemeinsam Abend gegessen und danach ging es zu einer WG-Party von Joses Kommolitonen. Jose studiert nämlich Architektur im Master in Barcelona und hatte am Samstag einen Teil der Zwischenprüfung geschafft, was am Samstagabend gebührend gefeiert werden sollte. Ich fand es toll, dass er mich mitgenommen hat, denn das war viel authentischer als jegliches Touriprogramm. Die anderen Masterstudierenden kamen zudem überwiegend aus Lateinamerika und obwohl nicht alle Englisch konnten, war es ein lustiger Abend. Außerdem werde ich im nächsen Semester Spanisch anfangen zu lernen, weshalb dies eine perfekte Vorbereitung war! 🙂 Um 1:00 Uhr sind Jose und ich schließlich nach Hause gegangen, während einige andere sich auf den Weg in den Klub gemacht haben, denn die Spanier fangen erst um 1:00 Uhr an zu feiern…

15km quer durch Barcelona

Am nächsten Morgen sind wir nach einem schmackhaften Frühstück in Richtung Innenstadt aufgebrochen. Dort wollten wir an einer Free Walking Tour durch Barcelona teilnehmen, die am Plaça de Catalunya gestartet ist. Meine guten Erfahrungen solcher Free Walking Tours wurd auch in Barcelona wieder bestätigt: der Tourguide war gut drauf und hat uns viel über Barcelona, katalanische Geschichte und Fun Facts erzählt. Nach zwei einhalb Stunden kreuz und quer durch Barcelonas Altstadt endete die Tour an der Katedrale von Barcelona. Von dort aus sind Jose und ich weiter durch die engen Gassen, die mir sehr gut gefallen, an weiteren Kirchen vorbei in das Viertel Barceloneta, welches am Strand liegt, gelaufen. Auf einmal standen wir dort mitten in einer Parade, die stark nach südamerikanischem Karneval aussah. Laute Musik, bunte Kostüme und dicht gedrängte Zuschauer, die sich das Spektakel der tanzenden und singenden Menschen nicht entgehen lassen wollten, standen an den Straßen. Wie cool, dass wir einfach so dort reingeraten sind!

Am Meer angekommen, (ich konnte es schon wieder nicht glauben, dass es Februar ist!) sind wir auf der Strandpromenade zurück zum Hafen gelaufen. Dort haben wir uns in einer Salatbar Mittagessen to go besorgt und uns in die Sonne im Hafen gesetzt. Nach einer Pause ging es über die Ramblas weiter zum Plaza de España und von dort aus zum Parc de Montjuïc und dem alten Olympiastadion. Mitlerweile war es schon später Nachmittag und vom Olympiastadion hatte man einen großartigen Ausblick auf die untergehende Sonne über der Stadt. Da wir bis dahin quasi sieben Stunden zu Fuß unterwegs waren, (nacher haben wir in der Wohnung nachgeschaut, wie viele Kilometer es waren und es müssen um die 15km gewesen sein) haben wir uns den Bus zurück zur Wohnung gegönnt. Obwohl ein Tag für Barcelona nicht annähernd reicht, habe ich dennoch das Gefühl, viel in der Stadt gesehen zu haben und ich bin froh, dass Jose die 15km mit mir ausgehalten hat. Soviel bin ich auch selten in einer Stadt zu Fuß gelaufen!

El fútbol en español

Für das Abendessen haben wir Risotto gekocht und um 20:30 Uhr haben wir (die WG und ich) uns aufgemacht, um eine Kneipe für das anstehende Fußballspiel FC Barcelona gegen Real Madrid zu suchen. Das war nicht allzu schwer, da jede Bar einen Fernseher hatte, um den sich die Menschen versammelt haben, man muss nur frühzeitig da sein, wenn man noch ein Sitzplatz bekommen möchte. Wir haben glücklicherweise noch in einer Kneipe um die Ecke Barhocker gefunden und konnten das Spiel verfolgen. Die Stimmung war gut, ältere Männer haben das Spiel lautstark kommentiert und obwohl ich mich für Fußball nicht sonderlich interessiere, war es cool, in einer spanischen Kneipe spanisches Fußball zu gucken. Als Real Madrid allerdings das erste Tor geschossen hat, sank die Stimmung ein wenig und als Real Madrid kurz vor Ende der Nachspielzeit das zweite Tor geschossen hat, haben die meisten Zuschauer schon frühzeitig die Kneipe verlassen. Naja, wie gut, dass ich neutral eingestellt war. 🙂

Von Barcelonas Gothik direkt ins mittelalterliche Flair Nürnbergs

Auf einmal war schon wieder Montag. Mein Flugzeug sollte um 12:10 Uhr Barcelona verlassen, weshalb ich um 10:00 Uhr den Bus zum Flughafen nehmen wollte. Jose musste arbeiten und ich wollte vor meiner Rückfahrt noch ein wenig durch die Stadt laufen, deswegen haben wir um 8:15 Uhr das Haus verlassen. Leider hat es angefangen zu regnen als ich durch die engen Gassen von El Raval und zum Markt „Mercat de la Boqueria“ gegangen bin. Da es für Spanier früh am Morgen war, waren noch nicht viele Menschen auf der Straße und auch der Mark war gerade erst am Aufwachen. Schließlich bin ich dann in den Bus Richtung Flughafen gestiegen und saß nach dem üblichen Flughafenprozedere im Flugzeug nach Nürnberg. Da ich in Nürnberg noch drei Stunden Zeit bis zu meinem Zug nach Passau hatte, bin ich mit meinem laut rumpelnden Koffer über die Kopfsteinpflaster der Innenstadt gelaufen. Die Stadt kam mir komisch ruhig und verlassen vor, dabei war es doch ein Werktag, aber vielleicht ist der Vergleich nach Barcelona auch ein wenig unfair. Vor dem Albrecht Dürer Haus habe ich mich hingesetzt und Brötchen mit Avocado und Humus aus Barcelona gegessen, bevor ich langsam durch die Fußgängerzone zum Bahnhof gelaufen bin und drei Stunden später im Wohnheim angekommen bin.

Barcelona, ich komme wieder!

Wer wie ich ein Fan von engen kleinen Gassen und Obst- und Gemüsemärkten ist, der wird in Barcelona glücklich werden. Die Stadt gefällt mir gut, was nicht zuletzt dem fantastischen Wetter geschuldet war. Obwohl Barcelona voller Menschen ist, findet man immer noch stille Ecken, wo man dem alltäglichen Trubel entkommen kann, wie zum Beispiel am Olympiastadion. Durch die geraden Straßen bekommt man den Eindruck einer wohlhabenen Stadt, zudem findet man sich gut zurecht. Doch natürlich gibt es wie in jeder Stadt auch in Barcelona Armut und schlechte Zustände der Gebäude. Was ich allerdings viel wichtiger finde, sind die Menschen, die in der Stadt wohnen und die mich „überzeugt“ haben. Vielleicht eine gute Stadt für mein Auslandssemester…?

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