Von Cafés, Ersatzbussen und davon, dass wir irgendwann doch in Pécs angekommen sind

Von Cafés, Ersatzbussen und davon, dass wir irgendwann doch in Pécs angekommen sind

Da am 15. März ein ungarischer Nationalfeiertag ist und wir deswegen ein verlängertes Wochenende hatten, haben Svetlana und ich uns entschlossen, mal wieder ein bisschen rumzureisen. Natürlich ist das eine super Möglichkeit, aber auf der anderen Seite konnten wir dadurch an keinen Feierlichkeiten bezüglich des Nationaltages teilnehmen, was ich ein wenig schade fand. Der 15. März ist nämlich einer wichtigsten Feiertage in Ungarn, an dem an die Revolution 1848 gegen die Habsburger Monarchie gedacht wird.

Ungarischer Nationalfeiertag am 15. März

Der 15. März wird in Ungarn sehr groß gefeiert, da an ihm an die Ungarische Revolution gegen die Habsburger Monarchie im Jahre 1848 gedacht wird. Wie fast alle ungarischen Revolutionen ist diese für Ungarn nicht gut ausgegangen. In der Mäarzrevolution 1848 finden sich die bis heute wichtigen Persönlichkeiten wie István Széchenyi, Lajos Kossuth, Josef Bem und Sándor Petőfi wieder, nach denen unzählige Straßen und Plätze benannt sind. In ganz Ungarn gibt es viele Gedenkveranstaltungen sowie Staatsfeier und viele Menschen tragen eine Art Anstecker (Kokarde) mit den nationalen Farben.

Unser Ziel für das Wochenende war Pécs, eine schöne Stadt in Südungarn, die 2010 den Titel der europäischen Kulturhauptstadt getragen hat. Da Svetlana vorher in Prag war und mein Mid-term Seminar in Visegrád Donnerstagmittag geendet hat, haben wir uns am Donnerstagabend in Budapest getroffen. Dort haben wir noch eine Nacht in einem sehr schönen und günstigen Hostel übernachtet (Baroque Hostel Budapest), bevor wir am Freitag nach Pécs gefahren sind.

Da ein paar andere Freiwillige an diesem Wochenende nach Bratislava gefahren sind und auch nach Budapest mussten, sind wir zusammen die 1 1/2 Stunden von Visegrád nach Budapest gefahren. Es war sehr interessant zu beobachten, wie sich meine Gedanken immer mehr vom Mid-term Seminar entfernten und sich auf die kommende Reise konzentriert haben. Weil Svetlana erst am Abend in Budapest angekommen ist, habe ich zusammen mit den anderen Freiwilligen ca. 2h Stunden in einem Café verbracht, bevor ich mich um 16:00 auf den Weg in die Innenstadt gemacht habe. Dort bin ich in die Richtung unseres Hostels gegangen und weil ich noch zwei Stunden auf Svetlana warten musste und ich nichts zu tun hatte, war die einzige Möglichkeit schon wieder ein Café. Mir ist aufgefallen, dass ich in Deutschland nur sehr selten im Café bin und dementsprechend immer nicht weiß, ob man davor bezahlen, währenddessen bezahlt oder wenn man das Café verlässt. Und worüber ich mich außerdem gefreut habe, dass meinen Hemmschwelle, auf Ungarisch zu sprechen bzw. zu bestellen mittlerweile schon um einiges niedriger ist.

Als es schließlich 20:00 Uhr war und Svetlana und ich uns treffen wollten, hatten wir leider ein Missverständnis, da sie mir die Adresse eines anderen Hostels geschickt hatte, was 3km vom eigentlichen Hostel entfernt lag. Ich habe also an einem völlig falschen Platz die Zeit totgeschlagen! Also musste ich dann noch 30min zum richtigen Hostel laufen, welches ein wenig außerhalb der Budapester Innenstadt liegt und ich fand das nicht so cool, dass ich noch alleine um 21:00 Uhr durch leere Straßen in Budapest gehen musste. Aber ich habe es überlebt. Nachdem wir uns endlich gefunden hatten, (wir hatten ein sechsminütiges Telefonat, wo wir uns treffen wollten) haben wir im Hostel eingecheckt. Wir hatten das Glück, zu zweit im 10-Bett-Zimmer zu schlafen und ich muss sagen, es ist super außerhalb der Touristensaison in Budapest zu sein! Svetlana und ich haben uns noch viel erzählt und sind schließlich um 23:00 Uhr ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen sollte es dann nach Pécs gehen. Obwohl Svetlana es nicht gerne mag, mit dem Zug zu fahren, habe ich dazu überzeugt, den Zug zu nehmen, anstatt mit dem Bus zu fahren, da es schneller und komfortabler ist. Zum Bahnhof mussten wir 30min mit der Metro fahren, wo ich nur ganz knapp einer Fahrkartenkontrolle entkommen bin. Ich hatte nämlich kein Metroticket… 😉

Um ehrlich zu sein, habe ich das ungarische Zugsystem noch nicht ganz verstanden. Zum Beispiel war der Zug nach Pécs ein InterCity, in dem man einen Sitzplatz reservieren muss. Man kann also nicht ohne Sitzplatzreservierung ein Ticket kaufen, was ich nicht so sinnvoll finde. Als wir unser Ticket nach Pécs um 9:30 Uhr kaufen wollen, hieß es, dass kein Platz mehr frei wäre. Der nächste Zug nach Pécs ging um 11:30 Uhr. Sehr ärgerlich, aber nicht zu ändern. Und was tut man in den zwei Stunden Wartezeit? Genau, wir sind in ein Café gegangen, genauer gesagt in eine cukrászda, eine Art kleine Konditorei, die es überall in Ungarn gibt. Dort haben wir mit Kaffee und schwarzem Tee unsere Wartezeit überbrückt.

Zurück im Bahnhof haben wir dann erfahren, dass der Zug ausfällt und stattdessen Ersatzbusse fahren. Mein Überzeugungsversuch, dass Zug besser als der Bus ist, ist also glamourös gescheitert. 😀 Nachdem wir die Ersatzbushaltestelle gefunden haben und ich dreimal nachgefragt habe, ob das der Bus nach Pécs sei, saßen wir dann also im Bus nach Pécs. Zumindest dachten wir das, denn nach 20min hat der Bus an einem Bahngleis irgendwo am Arm von Budapest gehalten. Dort stand dann schließlich der Zug, der nach Pécs gefahren ist. Passenderweise konnte der Zug dann aufgrund technischer Probleme nur halb so schnell fahren, sodass wir erst um 15:00 Uhr in Pécs angekommen sind.

Mein ursprünglicher Plan war, bei anderen Freiwilligen in Pécs zu übernachten, aber leider war niemand da, weil auch sie alle verreist waren. Aus diesem Grund habe ich ein Hostel in Pécs gebucht, doch auf dem Mid-term Seminar hat mir eine Pécs-Freiwillige angeboten, dass wir die leere Wohnung benutzen können. Das war natürlich super, da wir dadurch nicht nur Geld gespart haben, sondern auch noch einen Tag länger in Pécs geblieben sind.

Nachdem wir die Wohnung gefunden hatten, sind wir wieder in Richtung Innenstadt gegangen, die wirklich sehr schön ist und fast schon Mittelmeercharakter hat. Kein Vergleich zu Veszprém. Ich finde, ein Pécs-Besuch lohnt sich echt und für mehr touristische Informationen geht hier entlang. Ein wichtiger Punkt ist zudem, dass viele Studenten in Pécs leben und ganz besonders Erasmus-Studenten. Deswegen sind viele Schilder ganz ungewohnt in Englisch und teilweise habe ich vergessen, dass ich immer noch in Ungarn bin. Vielleicht kann es am Feiertag liegen, aber sogar abends waren Menschen auf der Straße oder saßen im Restaurant. Wie gesagt, kein Vergleich zu Veszprém.

Auf unserem abendlichen Rundgang durch die Innenstadt sind schließlich an der imposanten Kathedrale vorbeigekommen. Dort war gerade ein Gottesdienst und da wir an der Tür standen, als dieser gerade vorbei war, sind wir irgendwie in eine Führung durch die Kathedrale mit reingerutscht. Die war natürlich auf Ungarisch, was aber nicht schlimm war, da die Kathedrale von innen genau so prunkvoll ist, wie von außen. Leider habe ich die Information der Tourguidin nicht verstanden, aber schon viele Wörter, sodass ich mir den Inhalt selbst zusammenreimen konnte. Immerhin habe ich verstanden, dass die Orgel über 6000 Pfeifen hat und dass die drei Kirchturmglocken in C, Ges und Es gestimmt sind. Die wichtigsten Infos also. 😉 Es bestand auch die Möglichkeit, auf einen der vier Türme zu steigen und die Aussicht von dort oben war sehr schön. Alles in einem waren wir sehr glücklich, vor allen Dingen, weil der Eintritt sonst kostet, aber da es ein Feiertag war, war der Eintritt kostenlos wie auch in den übrigen Museen und den meisten Sehenswürdigkeiten in Ungarn. So etwas sollte auch in Deutschland eingeführt werden!

Die Kathedrale von Pécs

Danach haben wir uns zurück auf den Weg zur Wohnung gemacht, die ca. 15 min von der Innenstadt entfernt ist. Auf dem Weg haben wir uns spontan entschlossen, Pizza zum Abend zu essen. So richtig wie im Urlaub. Leider haben wir wohl die schlechteste „Pizzeria“ in ganz Pécs erwischt. Die drei jungen Männer, die einen verplanten Eindruck gemacht haben, erzählten ersteinmal, dass wir 1h warten müssten, da sie gerade viel zu tun hätten. Schlussendlich schmeckte dann die Pizza wie aufgetaut und Svetlana hat sich davon ganz schön die Laune verderben lassen. Ich fand es nicht ganz so schlimm, schließlich war es ja nur eine Pizza und immerhin wissen wir jetzt, wo man in Pécs nicht essen sollte!

In der Wohnung angekommen, haben wir dann den nächsten Tag, Samstag, geplant. Hier geht’s weiter zum nächsten Tag

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