Week 42 – Song 7: Von fremden Ländern und Menschen

Week 42 – Song 7: Von fremden Ländern und Menschen

Und von fremden Bussen, fremden Unterrichtszeiten und fremden Supermärkten

Bevor ich mich daran gewöhne, möchte ich von den großen und kleinen Unterschieden im Vergleich zu Deutschland schreiben. Da passt der Titel des ersten Klaiverstücks aus Robert Schumanns Kinderszenen, op. 15 „Von fremden Ländern und Menschen“ ganz gut.

Bevor ich nach Ungarn gekommen bin, hatte ich absolut kein Bild von diesem Land und den Menschen. Alles was ich wusste, dass der N.C. für Medizin in Budapest nicht so hoch ist, weshalb viele deutsche Studenten in Budapest studieren. Natürlich trifft das, was ich im Folgenden schreibe, nicht auf Gesamtungarn zu. Es spiegelt lediglich das wieder, was ich in meiner kurzen Zeit hier erlebt habe und bekanntlich bestätigen Ausnahmen immer die Regel.

Das Dorf und die Landschaft

Das Erste, was mir aufgefallen ist, als wir am Anfang das Dorf erkundet haben, ist, dass die Stromleitungen überirdisch sind. Außerdem gibt es meistens nur an den größeren Straßen Bürgersteigen. Zudem wachsen hier unglaublich viele Blumen an den Straßen, die zu meiner Überraschung immer noch (es ist ja schon Oktober) blühen.

Solch einen kleinen coop gibt es in jedem größeren Dorf

Zur meiner Freude, hat fast jeder einen Hund und es laufen auch immer einige durch das Dorf. Vielleicht kann ich ja den Wunsch meiner Freundin erfüllen, ihr einen Hundewelpen mitzubringen…? Ein großer landschaftlicher Unterschied besteht außerdem darin, dass es hier viele Wiesen gibt über die man einfach spazieren kann. Von zu Hasue bin ich es gewohnt, dass jede freie Fläche als Feld genutzt wird und dass die wenigen Feldwege auch gerne mal im Nichts enden. Hier ist mir das glücklicherweise bisher nur einmal passiert.

Ungarische Busse und Straßen

Ich will nicht wissen, wie viel Lebenszeit ich bisher mit Busfahren und Auf-den-Bus-warten verbracht habe. Deswegen ist das ein relativ „interessantes“ Thema für mich, zumal ich hier auch jeden Montag und Dienstag insgesamt drei Stunden pro Tag im Bus sitze. Der erste Umstellung ist, dass es in Ungarn keine Buslinien gibt und meistens nur die Endhaltestelle auf dem Bus steht. Wenn man da nicht aupasst, kann es schnell passieren, dass man im falschen Bus sitzt und die Fahrt nicht 30min, sondern 60min dauert. Erschwerend kommt dazu, dass die Busse nicht wirklich getaktet sind, (also jede Stunde, alle halbe Stunde, jede 10 Minuten usw.) sondern sehr unregelmäßig fahren.

Die Ungarn fahren Bus. Egal zu welcher Uhrzeit, anders als in Deutschland bin ich nie der einzige Fahrgast, da der Bus hier ein wirklich viel genutztes Transportmittel ist. Das kann vielleicht auch an den grandiosen Busfahrpreisen liegen, an denen sich der RVHi mal ein Beispiel nehmen könnte. Als Schülerin kostet mich eine Fahrt nach Veszprém (22km) gerade mal 235 HUF ~0,73€ (für Erwachsene das Doppelte). Meiner Meinung nach steht das in keinem Verhältnis zu den 5,80€, die ich für die 15km von Nettlingen nach Hildesheim zahlen muss. Außerdem habe ich noch nie erlebt, dass ein Bus Verspätung hat.

Wie überall gibt es alte und neue Busse. Der Bus auf dem Titelbild ist einer der älteren Modelle, die in Veszprém unterwegs sind, während die Fernbusse sogar freies WLAN haben.

Eines der ersten Gebäude, die man in Veszprém sieht

Und nun zu den Straßen. Im Vergleich zu Deutschland sind die Straßen hier schlecht. Das ist einfach so. Aber abgesehen davon, dass man im Bus nicht gut schreiben kann, stört mich das eher nicht. Neue Autos sind hier eher selten, nur ab und zu fährt mal ein Audi durch die Straßen. Stattdessen sind noch Trabbis untewegs. 🙂

Die Ungarn können nicht links abbiegen. Nicht selten entstehen kleine Staus, weil die Linksabbieger auf der Kreuzung nicht genug Platz haben, sodass die wartenden Autos zurücksetzten müssen, was bei einer langen Autoschlange allerdings ein wenig schwierig ist…

Ungarische Supermärkte

Zugegeben, ungarisch sind die Supermärkte nicht, handelt es sich bei ALDI, coop und Spar doch eher um deutsche und österreichische Supermarktketten. Trotzdem sind sie anders als bei mir zu Hause und man verbringt viel Zeit mit Einkaufen, sodass das Thema hier Erwähnung findet.

In Nagyvázsony gibt es drei kleine coops. Der eine, von uns „expensive coop“ genannt, verkauft sogar Sojamilch und Rosinen und ist der zweitgrößte Supermarkt unter den dreien. Den kleinsten nennen wir „milk coop“, da in seinem Eingangsbereich ein Frischmilchautomat steht, was mir gut gefällt. Dort kostet der Liter Milch nur 160 HUF (~0,50€). Der größte coop, der Maxi coop, öffnet schon ab 6:30 Uhr, was sehr praktisch ist. Dabei ist der Begriff „maxi“ eher in Relation zu den anderen coops zu sehen, denn mit einer Verkaufsfläche von ungefähr 40 Quadratmeter ist er nicht allzu maxi.

eine massive Auswahl an Grablichtern

Das Sortiment der coops hängt stark von der aktuellen Lieferung, so gibt es beispielsweise kurz vor der neuen Lieferung keine Streichhölzer mehr und es gibt keine 30 Marmeladen, aus denen man wählen kann. Dies bringt aber auch den Vorteil, dass man nicht auswählen muss, sondern das kauft, was da ist. Neulich war ich in einem RIESEN-Interspar in Veszprém und war sehr überfordert von der dortigen Auswahl. Nach einer fünf Minuten langer Suche nach Wraps war ich schon dermaßen angenervt, dass ich nicht mehr viel Lust hatte, zwischen den sieben verschiedenen Wrap-Arten zu entscheiden. Da bevorzuge ich doch lieber den kleinen Dorf-coop.

Leider sucht man in den Supermärkten vergeblich nach süßer Sahn sowie Bio-Eiern, denn die meisten Eier stammen noch! aus Käfighaltung, worüber ich sehr bestürzt bin.

Und sonst noch

Etwas gewöhnungsbedürftig ist außerdem noch, dass man hier „Hello!“ zur Verabschiedung sagt, etwa wie ein „Tschüss!“. Immer wieder ein wenig verwirrend. 🙂

Mülltrennung wird in Ungarn nicht so ernst genommen, was ich nicht gut finde.

Und zum Schluss: Die Ungarn haben einen komischen Mopp, an den wir uns alle noch gewöhnen müssen. Beim wöchentlichen Wohnungsputz immer ein großes Thema.

Wie soll man damit bitteschön vernünftig sauber machen? 😀

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