Wie macht die französische Ziege?

Wie macht die französische Ziege?

Von einem Abenteuer ins nächste: Für drei Wochen arbeite ich als WWOOFerin auf einer Ziegenfarm in Frankreich, genauer gesagt auf der Ferme des Embetschés östlich von Colmar.

Was ist WWOOF?

WWOOF ist eine Abkürzung für WorldWide Opportunities on Organic Farms und will einen Erfahrungsaustausch rund um eine ökologische Farmwirtschaft ermöglichen. Dabei ist das Konzept, helfende Gäste an Höfe zu vermitteln und den Gästen Erfahrungen sowie Informationen, was nachhaltige Landwirtschaft bedeutet näher zu bringen. WWOOF wurde 1971 in Großbritannien gegründet und war eine der ersten Organisationen, die freiwillige Helfer im ökologischen Bereich vermittelt. Die WWOOFer bekommen kein Geld, aber dafür freie Unterkunft und Verpflegung und normalerweise arbeiten sie einen halben Tag mit zwei freien Tagen pro Woche. Inzwischen gibt es WWOOF-Organisationen in ca. 130 Ländern, darunter Deutschland und Frankreich.

Warum mach ich das?

Nachhaltige Landwirtschaft, biologischer Pflanzenanbau und besonders eine Viehzucht, die das Tier als Lebewesen und nicht nur als reinen Produzenten ansieht, interessiert mich schon seit langem, aber auf WWOOFing bin ich erst dieses Jahr gestoßen. Die WWOOF-Gemeinschaft in Deutschland ist mit mehr als 400 Höfen recht groß und gerade in der derzeitigen COVID-19 Situation, habe ich darüber nachgedacht, einen WWOOF-Aufenthalt in Deutschland zu machen, aber zugleich wollte ich unbedingt meine Französisch, das ich an der Uni lerne, anwenden und weiter lernen. Was liegt als näher als WWOOFing in Frankreich? 🙂 Also habe ich mich im französischen WWOOF-Netzwerk angemeldet und mich auf die Suche nach französischen Bauernhöfen in Nähe der deutschen Grenze gemacht, da ich nicht allzu lange im Zug sitzen wollte. Ich war überrascht, dass ich so viele WWOOF-Höfe gefunden habe, besonders in den Vogesen, dem Mittelgebirge in Ostfrankreich. Nach einer Woche Bedenk- und Planungszeit habe ich eine Nachricht an die Ziegenfarm geschickt und gefragt, ob ich kommen kann. Nach drei Tagen kam die Nachricht, dass ich sehr gerne kommen kann und das mein vorgeschlagener Zeitraum (Oktober) gut passen würde, da zu dieser Zeit die Zicklein geboren werden. Nach einem kurzen WhatsApp Gespräch habe ich dann die Zugtickets gekauft und dann musste ich nur noch auf meinen Abreisetag warten und mein Französisch aufpolieren.

Endlich geht’s los!

Zugegebenermaßen war ich doch ziemlich aufgeregt vor und während meiner Zugreise, ob alles klappen würde, ob ich die Leute verstehe, ob die Leute mich verstehen, ob es nicht zu kalt wird und ob mir die Arbeit Spaß macht. Schließlich bin ich aber gut angekommen und Gaspard, einer der Hofbesitzer hat mich abends von der Bushaltestelle abgeholt.

Die Farm „Ferme des Embetschés“

Oberhalb des kleinen Dorfes Lapoutrie liegen die Gebäude der Ziegenfarm: der Ziegenstall mit der Käserei, ein kleiner Pferdestall, der Schafstall mit Büro, der Schweinestall sowie drei Wohnhäuser. Seit der Gründung der Farm 1978 mit acht Ziegen hat es sich peu à peu weiterentwickelt, sodass es kein klassisch geschlossenes Gehöft ist, sondern ein wenig einzelnd steht. Auf der Farm leben zurzeit ca. 150 Ziegen, 50 Schafe und 50 Schweine, sowie acht Hunde zusammen mit zwei Familien und momentan drei WWOOFer*innen. Wir wohnen im Dachgeschoss des einen Wohnhauses, in einer gemütlichen Dreizimmerwohnung, die mit einem Holzofen, um den wir uns selbst kümmern geheizt wird.

Was ich bisher gemacht habe

In den drei Tagen, die ich bisher auf der Farm verbracht habe, habe ich wohl die meiste Zeit die Zicklein mit der Flasche gefüttert. Sie bekommen dreimal am Tag, um 7:30 Uhr, um 14:00 Uhr und um 18:00 ein Fläschen und da es mitlerweile schon über 50 kleine Ziegen sind, dauert das seine Zeit… Außerdem habe ich die Gehege der Ziegen und der Schweine mit frischem Stroh eingestreut, Schafe und Ziege gefüttert und in der Käserei Ziegenfrischkäse eingepackt und ettiketiert. Ich habe noch nie mit Ziegen gearbeitet und dementsprechend spannend und interessant ist alles für mich und die Arbeit macht mir viel Spaß, besonders auf dem Heuboden und mit den Tieren. Nicht zu vergessen natürlich die sehr flauschigen Hunde, die überall rumlaufen!

Und wie klappt es mit dem Französisch?

Bisher verstehe ich so ein Drittel, von dem, was gesagt wird. Wenn ich mit jemandem unter vier Augen spreche, dann verstehe ich recht gut, was er oder sie von mir will, aber wenn die anderen sich untereinander unterhalten, freu ich mich schon, wenn ich mitbekomme, um was sich das Gespräch dreht. Dieser Wurf ins kalte Wasser ist zwar genau, was ich wollte, doch frustriert es mich zugegebenermaßen schon, dass ich nicht so mitreden kann, wie ich es eigentlich sonst tue, denn wenn ich es geschafft habe, einen Satz in meinem Kopf zu Ende zu formulieren, sind die anderen schon beim nächsten Gesprächsthema angekommen. Außerdem brauche ich mehrere Anläufe, bis ich verstanden werde, da zwar einige ein wenig Englisch können, aber davon irgendwie keinen Gebrauch machen. Willkommen in Frankreich! Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sich mein Französisch innerhalb der nächsten Wochen verbessern wird und wer weiß, vielleicht kann ich bald in die Diskussionen mit einsteigen.

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